… sind schlicht und einfach verwackelt! Und das trotz Stabilisator. Ich bin sogar der Meinung, dass viele Fotos genau wegen des Stabilisators verwackelt sind. Das ist eine steile These, findet ihr? Kann schon sein, aber ich werde meine These natürlich begründen.

Die gute alte Faustregel

Früher, in den stabilisatorlosen Zeiten, kannte jeder die Faustregel gegen verwackelte Bilder: Die Belichtungszeit sollte kürzer sein als der Kehrwert der verwendeten Brennweite. Bei 100 mm Brennweite sollte die Belichtungszeit also mindestens 1/100 s oder besser nur 1/125 s sein. Wie bei jeder Faustregel konnte das natürlich trotzdem mal schiefgehen, je nach Kaffeekonsum des Fotografen …

Das Bild oben entstand mit einer Brennweite von 200 mm und einer Belichtungszeit von 1/50 s. Nach der obigen Faustregel musste das also zur Verwacklung führen. Aaaaber: Das Objektiv hat einen Stabilisator, von dem der Hersteller behauptet, dass er drei Belichtungsstufen kompensiert. Folglich hätte das Bild auch bei einer Belichtungszeit von 1/25 s noch scharf sein müssen. Ist es aber trotz 1/50 s nicht. Und ganz ehrlich, ich habe den Angaben der Hersteller in dieser Frage nie getraut.

„Vertrauen ist gut …

… Kontrolle ist besser“, sagt man. Viele Fotografen scheinen allerdings ein grenzenloses Vertrauen in ihre Ausrüstung zu haben. Und da das Objektiv oder die Kamera ja einen Stabilisator der neuesten Generation hat, ist verwackeln fast unmöglich. Glauben sie. Verstärkt wird das Problem noch durch kleine Sensoren. Der „Crop-Faktor“ muss nämlich auch in die Faustregel gegen Verwacklung eingerechnet werden. Bei einer Micro-Four-Third-Kamera sollte also bei 100 mm Brennweite die Belichtungszeit kürzer als 1/200 s sein.

Bei Kompaktkameras ist das Thema noch kritischer. Manche Bridgekamera hat ein Zoomobjektiv, dessen längste Brennweite umgerechnet auf das Vollformat 1200 mm (oder noch länger) ist. So ein Objektiv für eine Vollformatkamera sieht so aus:

http://www.traumflieger.de/objektivtest/open_test/canon_1200/overview.php

Kein Mensch im Vollbesitz seiner geistigen (und körperlichen Kräfte, denn das Ding ist sauschwer) würde solch ein Objektiv aus der Hand benutzen. Das ist aber genau das, was Besitzer einer Bridgekamera fast ausschließlich tun, denn es sieht ja schon etwas merkwürdig aus, wenn man so eine kompakte Kamera auf ein Stativ stellt. Entsprechend groß ist dann auch die Ausbeute an unscharfen Fotos. Im Vertrauen auf den Stabilisator wird der Belichtungszeit kaum noch Aufmerksamkeit geschenkt. Der Stabilisator wird’s schon richten. Aber genau das tut er halt nicht immer, denn er hat seine Grenzen.

Fazit

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich möchte auf keinen Fall auf den Stabilisator verzichten. Er leistet wirklich gute Arbeit, wenn man aus der Hand fotografiert. Man sollte die Möglichkeiten des Stabis aber nicht überbewerten und sich der Grenzen bewusst sein.