Ok, Katzen vielleicht. Aber Städte erwachen zum Leben, wenn die Sonne untergeht. Und vor allem verändern sie ihren Charakter völlig. Aus den grauen Beton- und Glasfassaden werden funkelnde Lichtgestalten. Baukräne, Mülltonnen und andere unschöne Randerescheinungen der Großstädte verschwinden im Dunkel.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Am spannendsten sind Stadtansichten in der Dämmerung kurz nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel eine kobaltblaue Farbe annimmt und die Lichter in den Bürotürmen angehen. Die Mischung aus restlichem Tageslicht und künstlicher Beleuchtung in den Büros und Wohnungen macht den besonderen Reiz aus.

Die berühmte blaue Stunde ist aber, je nach Jahreszeit und geografischer Breite nur etwa 30 bis 40 Minuten lang. Man sollte also rechtzeitig vor Ort sein und das Motiv möglichst bereits im Vorfeld erkunden. Vor allem sollte man nicht zu spät kommen. Denn wenn der Himmel vollkommen schwarz geworden ist, dann sind die Bilder deutlich weniger attraktiv also zu einem etwas früheren Zeitpunkt. Hier zwei Fotos aus Rothenburg ob der Tauber.

Rothenburg o.d.T in der Dämmerung

Rothenburg o.d.T bei Nacht

Wenn der Himmel konturlos schwarz geworden ist, fehlt einfach der schöne Farbkontrast zwischen dem blauen Himmel und der gelblichen Beleuchtung der Gebäude. Mein Favorit wäre daher (fast) immer, das Foto in der blauen Stunde.

Aber nicht nur die Uhrzeit, sondern auch die Jahreszeit ist zu beachten. Für Großstädte eignen sich die Jahreszeiten mit den kurzen Tagen am Besten. Denn selbst Nordamerikaner arbeiten selten bis in den späten Abend. Mit anderen Worten: Im Sommer ist in den Büros kein Licht mehr, wenn die Sonne endlich untergegangen ist. Im Winter dagegen erstrahlen die Bürotürme bereits am späten Nachmittag.

Und der Wochentag?

Man könnte meinen, der Wochentag sei für die Aufnahme völlig egal. Aber auch das stimmt nicht. Denn am Wochenende sind deutlich weniger Büros besetzt, als unter der Woche. Man sieht das deutlich an den beiden Aufnahmen der Innenstadt von Calgary. Das erste Foto entstand an einem Donnerstag, das zweite an einem Sonntag:

Calgary vom Bow Tower aus fotografiert

Calgary bei Nacht

In deutschen Großstädten ist der Unterschied noch deutlicher. Muss wohl an der Arbeitsmoral liegen…

Das richtige Timing ist bei Aufnahmen in der Dämmerung also wichtig. Im Zweifelsfall sollte man lieber zu früh als zu spät vor Ort sein. Und der 21. Juni ist für solche Fotos gar nicht gut geeignet. Jedenfalls wenn man, wie ich, gerne zu halbwegs zivilen Zeiten im Bett liegt.

 

Wie immer dürft ihr gerne eure Meinung kundtun.