7 Bildgestaltungsregeln, die ich (fast) nie breche

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Moderne Architektur

Im Blog-Beitrag der letzten Woche sprachen wir über Kompositionsregeln und darüber, dass es sich nicht um harte und feste Regeln handelt, sondern dass sie, um Captain Barbossa aus Fluch der Karibik zu zitieren, „eher wie Richtlinien“ sind. Und wir stellten die Frage, ob es vielleicht doch einige Regeln gibt, zu denen es keine Ausnahmen gibt. Nun, ich bin sicherlich nicht in der Lage, diese Frage ein für allemal zu beantworten. Aber ich kann euch 7 Dinge nennen, die mir an einem Bild einfach nicht gefallen und die ich deshalb um jeden Preis zu vermeiden versuche.

1 Schneide nie unterm Knie

Man beachte den Reim. Ihr habt den Spruch noch nie gehört? Kaum zu glauben, aber falls ihr tatsächlich nicht wissen solltet, was gemeint ist, dann schaut euch einfach das folgend Bild an:

schneide nie unterm Knie

Nun seht euch das an! Es ist einfach schrecklich. Der arme Kerl ist nicht vollständig. Ihm fehlen offensichtlich die Füße.

 

schneide nie unterm Knie

Das ist offensichtlich besser. Interessanterweise „funktioniert“ aber auch das folgende Bild:

schneide nie unterm Knie

Wenn man oberhalb des Knies schneidet, ist alles in Ordnung. Man hat nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Man kann das mit diesen griechischen Torsi verglelichen. Grundsätzlich sind bei den Torsi die Arme oberhalb des Ellenbogens und die Beine oberhalb der Knie abgeschnitten.

Euer Kilometerstand mag abweichen, aber ich schneide nie unterm Knie.

 

2 Runde oder ovale Objekte sollten den Bildrand nicht tangieren

Zu dieser Regel lässt sich nicht viel sagen. Die Bilder sprechen für sich.

Kanadischer Schauspieler in historischer Uniform

Sieht seltsam aus, oder?

Die nächsten beiden Optionen sind viel besser.

Kanadischer Schauspieler in historischer Uniform

Das ist die konventionelle Lösung. Vielleicht nicht besonders spannend, aber besser als das erste Bild.

Kanadischer Schauspieler in historischer Uniform

Das ist meine favorisierte Lösung.

Übrigens ist diese Regel eine von drei, zu denen der große Andreas Feininger (ihr solltet euch an ihn aus dem Beitrag der letzten Wochen erinnern) nie eine Ausnahme gefunden hat. Und das würde sie zu einer harten und festen Regel machen.

Euer Kilometerstand mag abweichen, aber ich breche diese Regel nie.

 

3 Diagonale oder schräge Linien sollten nicht in einer Bildecke auslaufen sondern an einer der Bildkanten

Dies ist eine weitere von Feiningers Regeln, zu denen er nie eine Ausnahme gefunden hat. Es gibt jedoch viele Fotografen, die dem nicht zustimmen. Sie achten sehr darauf, dass diagonale Linien genau in der Ecke des Bildes enden. Aber entscheidet selbst.

 

Wolkenkratzer in Calgary

Wolkenkratzer in Calgary

Euer Kilometerstand mag abweichen, aber ich breche diese Regel nie.

4 Unscharfe Augen

Wann immer ein Motiv Augen hat, ganz gleich ob eine Person oder ein Stofftier, dann sollten die Augen wirklich scharf sein.

Löwenbaby

Diese Bild ist ein fake. Wir haben schlicht und einfach kein Foto einer Person oder eines Tiers mit unscharfen Augen im Archiv. Die haben wir in der virtuellen Mülltonne entsorgt.

Löwenbaby

Euer Kilometerstand mag abweichen, aber ich breche diese Regel nie.

 

5 Menschen sollten nicht in die Sonne schauen

In der Tat. Die personen werden die Augen zusammenkneifen und es werden sehr unschöne Schatten unter den Augenbrauen, der Nase und dem Kinn entstehen.

Junger Mann mit Baseballcap

Nun, ich denke, es gibt keinen Grund, dieses Bild zu kommentieren. Der Fotograf (ich) hat einfach eine schlampige Arbeit abgeliefert.

Junge Frau mit Handy

Am besten stellt man die Person an einen schattigen Ort. Oder, falls dies nicht möglich ist, lässt man die Person von der Sonne wegblicken und verwendet einen Aufhellblitz, um das Gesicht aufzuhellen.

Euer Kilometerstand mag abweichen, aber ich breche diese … oh, manchmal kann man es einfach nicht vermeiden! Aber es muss mir trotzdem nicht gefallen.

 

6 Weiße Bereiche an den Rändern oder in den Ecken eines Bildes sollten vermieden werden

Dies ist die letzte der drei Regeln, zu denen Feininger nie eine Ausnahme gefunden hat. Schaut euch einfach die Bilder an.

Frau auf einer Parkbank

Das Bild scheint am oberen Rand beschädigt zu sein. Es sieht aus, als hätte eine Maus an den Rändern des Bildes geknabbert, nicht wahr?

Frau auf einer Parkbank

Dieses Foto ist unbeschädigt. Es sieht aus wie ein vollständiges Bild.

Euer Kilometerstand mag abweichen, aber ich breche diese … oh, manchmal kann man es einfach nicht vermeiden! Aber es muss mir trotzdem nicht gefallen.

 

7 Kreuzschatten vermeiden

Diese Regel gilt nur für Studioaufnahmen mit Kunstlicht. Hier ist ein schönes Beispiel für Kreuzschatten:

Kreuzschatten

Es gibt nur eine Sonne, die die Erde beleuchtet. Deshalb erleben wir in der Natur niemals Kreuzschatten. Wenn wir diese Kreuzschatten in einem Bild sehen, haben wir instinktiv das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Deshalb sollte man sie bei Studioaufnahmen vermeiden. Kreuzschatten gelten als Zeichen schlechter Handwerkskunst.

Euer Kilometerstand mag abweichen, aber ich breche diese Regel nie (außer zu Illustrationszwecken, natürlich).

Damit ist die Miniserie über Kompositionsregeln abgeschlossen.

Übrigens, aufstrebende Künstler sollten auf keinen Fall jemals irgendwelche Regeln befolgen. Nicht einmal die oben genannten. Künstler machen keine gefälligen Bilder, sie wollen provozieren.

Verfolgen Rainer Hoffmann:

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2 Responses

  1. Rosl Rößner
    | Antworten

    WOW, das sind wirklich tolle Beiträge in Deinem BLOG.
    Super, wieviel Arbeit Du Dir machst!
    Ganz liebe Grüße,
    Rosl

    • Rainer Hoffmann
      | Antworten

      Hallo Rosl,
      schön, dass Du vorbeigeschaut hast und danke für das Lob.

      Beste Grüße aus dem Norden
      Rainer

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