Was ist eigentlich: Verzeichnung

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Tonnenförmige Verzeichnung

Nein, es waren nicht die Maurer, die diese Wand „verbogen“ haben. Es war einzig und allein das Objektiv. Es handelt sich dabei um ein Weitwinkel-Zoomobjektiv 16 – 35 mm / 1:2.8. Wie man sieht, scheint das Mauerwerk gewölbt zu sein. Tatsächlich handelt es sich um einen typischen Abbildungsfehler eines Objektivs: die sogenannte Verzeichnung.

Was ist Verzeichnung?

Wenn horizontale und vertikale Linien außerhalb der Bildmitte nicht mehr gerade sondern gewölbt abgebildet werden, spricht man von Verzeichnung (manchmal fälschlicherweise auch Verzerrung genannt). Achtung: Verzeichnung hat nichts mit stürzenden Linien zu tun! Die Verzeichnung tritt in zwei Varianten auf: tonnenförmige und kissenförmige Verzeichnung. Die Grafik veranschaulicht die beiden Varianten der Verzeichnung:

Prinzip der Verzeichnung

Das Aufmacherfoto dieses Beitrags zeigt also tonnenförmige Verzeichnung.

Grundsätzlich sind Weitwinkelobjektive anfälliger für diesen Objektivfehler als Teleobjektive und Zommobjektive sind davon eher betroffen als Festbrennweiten. Bei Zoomobjektiven kann es vorkommen, dass sie bei kurzen Brennweiten tonnenförmig verzeichnen und bei langen Brennweiten kissenförmig verzeichnen und umgekehrt. Völlig frei von Verzeichnung sind Zoomobjektve praktisch nie.

Bei den meisten Motiven ist eine leichte Verzeichnung unproblematisch. In der Architektur- und Objektfotografie ist sie jedoch sehr störend.

Verzeichnung in der digitalen Fotografie

In der analogen Fotografie gab es keine Möglichkeit, Verzeichnung nachträglich zu korrigieren. In der digitalen Fotografie ist Verzeichnung jedoch sehr leicht, im besten Fall mit einem einzigen Mausklick, aus der Welt zu schaffen. In Programmen wie Lightroom setzt man ganz einfach das Häkchen bei „Profilkorrekturen aktivieren“.

Korrektur der Verzeichnung in Lightroom

Das Programm sucht dann aus einer Datenbank die Korrekturdaten für das betreffende Objektiv und bei Zoomobjektiven für die gerade verwendete Brennweite heraus und wendet sie auf das Bild an. In den meisten Fällen ist die Verzeichnung dann vollständig verschwunden.

Korrektur der Verzeichnung in Lightroom

 

Verzeichnungsfreies Foto

Im Bild oben ist die Verzeichnung noch nicht ganz verschwunden. Das ist jedoch kein Problem, denn man kann die automatische Korrektur jederzeit von Hand noch weiter korrigieren:

Fehlerreduzierung

Bei aktivierter Profilkorrektur kann man über den Stärkeregler die Verzeichnungskorrektur je nach Bedarf verstärken oder abschwächen.

Falls das verwendete Objektiv in der Datenbank des Programms nicht vorhanden sein sollte, kann man jederzeit die Korrektur vollständig manuell vornehmen. Die Funktion dafür findet sich bei Lightroom und Adobe ACR unter dem Reiter „Manuell“

Reiter Manuell

Hinweis: Einige Kamerahersteller, z.B. Olympus, haben eine in die Kamera integrierte Funktion zur Korrektur der Verzeichnung. Daher tauchen die Objektive dieser Hersteller nicht in der Liste der verfügbaren Objektive auf. Das ist also kein Nachteil.

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