50 Jahre Fotografie – ein persönlicher Rückblick

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Rollei Planar HFT 2.8/80 mm

Vor 50 Jahren bekam ich meine erste Kamera. Nein, nicht selbst gekauft. Meine Eltern haben meinem Drängeln irgendwann nachgegeben. Schuld war mein Cousin Helmut, der Held mein Kindheit. Der machte mit seiner 8 mm Kamera ganz wunderbare (Kurz-) Filme. Das wollte ich auch.

Die Super 8 Zeit

Meine (recht kurze) Karriere als Filmemacher begann im zarten Alter von knapp 13 Jahren mit einer Super 8 Kamera der Marke Revue aus dem Hause Quelle. Hier findet ihr ein Bild dieses Schätzchens. Mein schmales Taschengeld wanderte fortan in die Beschaffung von Super 8 Filmkassetten und in die Produktion von Stop-Motion-Filmen, vorzugsweise unter Verwendung meiner Wiking LKW Sammlung.

Ich merkte jedoch recht bald, dass meine Filme meistens eine Aneinanderreihung von (mehr oder weniger) schönen Bildern waren. Ich war und bin kein Geschichtenerzähler. Daher endete meine Zeit als hoffnungsvoller Filmemacher bereits nach wenigen Jahren und ich wendete mich der Fotografie zu.

Die frühen Jahre

Mein erste Fotokamera war eine Konica Autoreflex A3, natürlich mit dem damals obligatorischen 50 mm Objektiv. Es hatte bereits die beachtliche Anfangsöffnung von 1:1,7! Von nun wanderte mein Taschengeld logischerweise in die Beschaffung von Filmen. Es waren vorzugsweise Schwarzweißfilme, die ich in meinem behelfsmäßigen Labor (dafür wurde die elterliche Küche kurzfristig umfunktioniert …) entwickelte und vergrößerte. Die Negative von damals habe ich tatsächlich noch archiviert.

Fotografiert habe ich vor allem Landschaften. Das war einfach, weil Landschaften immer schön stillhalten. Mein großes Vorbild war natürlich Ansel Adams, auch wenn die norddeutsche Tiefebene längst nicht so eindrucksvolle Motive bietet wie die amerikanischen Nationalparks. Und auch technisch konnte ich nicht ganz mit dem Altmeister mithalten …

Die Studentenjahre

Während des Studiums nahm die Fotografie naturgemäß weniger Raum in meinem Leben ein. So konnte ich meine Filme immer nur bei den recht seltenen Besuchen bei meinen Eltern entwickeln und vergrößern. In meiner 12 Quadratmeter Studentenbude im Wohnheim war einfach kein Platz dafür. Trotzdem habe ich in der Zeit kameratechnisch noch ein wenig aufgerüstet und mir eine Konica Autoreflex T4 mit Auto Winder zugelegt. Wozu ich den Winder gebraucht habe erschließt sich mir heute nicht mehr. Es fühlte sich aber hochprofessionel an, den Film nicht mehr mit der Hand transportieren zu müssen und sagenhafte 2 Bilder/Sekunde verschießen zu können. Konica war dann übrigens die erste Firma, die bei einer Spiegelreflexkamera ganz auf den sogenannten Schnellschalthebel für den Filmtransport verzichtet hat. Das war damals heftig umstritten, da man dem motorischen Filmtransport nicht wirklich vertraut hat.

Reisen und fotografieren

Die „reisen-und-fotografieren-Phase“ begann bei mir bereits kurz nach dem Studium. Für den Sommer 1987 hatte ich zusammen mit zwei (ehemaligen) Kommilitonen eine große USA Reise geplant. Dafür hatte ich mir zusätzlich zu den Konicas noch eine gebrauchte Rolleiflex 2000 F mit einem damals noch recht ungewöhnlichen Zoomobjektiv zugelegt. Bei einem Wohnungseinbruch kurz vor der Reise wurde jedoch meine gesamte Fotoausrüstung (und noch einiges mehr) gestohlen. Die Hausratversicherung zeigte sich allerdings kulant und so war ich in der Lage noch rechtzeitig vor Beginn der Reise eine Rolleiflex 3003, der Nachfolger der 2000 F, sowie eine Reihe von Objektiven, die den für die Zeit sagenhaften Brennweitenbereich von 21 mm bis 400 mm abdeckte, zu kaufen. Dank der Wechselmagazine der 3003 konnte ich parallel Diafilme und Schwarzweißfilme belichten.

Ab 1988 hatte ich dann eine richtige, fest installierte Dunkelkammer zur Verfügung. Obwohl ich kein fließendes Wasser hatte, war es ein echter Fortschritt und ich konnte endlich meinem großen Vorbild Ansel Adams nacheifern, wohl wissend, dass ich ihn nie erreichen würde. Nach der intensiven Lektüre seiner Bücher war mir dann aber schnell klar, dass das Kleinbildformat meinen Qualitätsansprüchen nicht mehr genügen würde. Also musste das Mittelformat her. Durch einen günstigen Umstand konnte ich eine Rolleiflex SL 66 mit drei Zeiss-Objektiven gebraucht kaufen. Die großen 6×6 cm Negative hatten eine Bildqualität, die mit dem Kleinbild einfach nicht erreichbar waren.

Da die SL 66 recht groß und schwer war, kam noch die etwas leichtere zweiäugige Rolleiflex 2.8 GX dazu. Das fest eingebaute Planar HFT 2.8/80 mm ist eines der besten Objektive, die ich je in irgendeiner Fototasche hatte.

Nun hatte ich wirklich Blut geleckt. Ein noch größeres Format musste her. Ich entschied mich für das 4×5″ Format (etwas größer als 9×12 cm) und eine Fachkamera auf optischer Bank. Da ich mir Linhof oder Arca Swiss nicht leisten konnte, wurde es eine japanische Horseman 450. Wer noch nie mit einer Fachkamera gearbeitet hat kann sich kaum vorstellen, wie anders die fotografische Herangehensweise im Vergleich zu Kleinbild oder Mittelformat ist. Die Arbeit mit so einer Kamera gibt dem Begriff „Entschleunigung“ eine ganz neue Bedeutung.

Leider hatte die Anschaffung dieser Kamera weitere Investitionen zur Folge. Insbesondere musste ein neues Vergrößerungsgerät für die großen Negative und natürlich ein neues Vergrößerungsobjektiv her. Und auch mein Stativ war dieser Kamera nicht mehr gewachsen. Aber zumindest war ich meinem Idol ausrüstungstechnisch, wenn auch nicht künstlerisch, ein Stückchen näher gekommen.

Das Ende der analogen Fotografie

Da Simone und ich uns bereits Ende der 1990er Jahre selbstständig gemacht hatten und wir mit der Fotografie Geld verdienen wollten, kamen wir an der digitalen Fotografie nicht vorbei. Wir haben daher 2005 unsere gesamte analoge Fotoausrüstung verkauft. Ein kompletter Systemwechsel stand an, da weder Rollei noch Olympus (Simones bevorzugtes System) professionelle Digitalkameras im Programm hatten.

Der Wechsel in die digitale Welt ist uns nicht schwer gefallen. Allerdings sind die Kameras jetzt reines Handwerkszeug und wir haben nicht mehr die emotionale Bindung an unsere Arbeitsgeräte wie früher. Deshalb soll an dieser Stelle Schluss sein. Aber vielleicht werdet ihr in einem anderen Blog noch einen Rückblick auf meine persönliche fotografische Entwicklung in den letzten 50 Jahren finden …

 

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2 Responses

  1. Peter Schick
    | Antworten

    Lieber Rainer,
    herzlichen Dank für deine persönliche Fotogeschichte, die ich begeistert gelesen habe. Da kann und will ich nicht mithalten, zumal mein Einstieg in die Fotografie erst im reifen Mannesalter und zudem während der anstehenden Vaterschaft erfolgte. Aber nur Kind- und Familienbilder waren mir doch zu wenig und so habe ich mich über 25 Jahre der Dokumentation meiner damaligen Heimatstadt gewidmet. Das eigene SW-Labor habe ich nur kurze Zeit unterhalten und mich dann auf Farbnegativbilder beschränkt. Meine erste Kamera war die legendäre Canon AE 1, später erfolgte der Wechsel zu Nikon und heute begleiten mich die leichteren Fujikameras auf meinen Touren in die verschiedenen Landschaften.
    Ich wünsche dir weiterhin stets gut Licht!!
    Liebe Grüße

    Peter

    • Rainer Hoffmann
      | Antworten

      Lieber Peter,
      glücklicherweise geht es ja nicht um „mithalten“. Jeder hat da so seine persönliche Geschichte. Aber ich muss zugeben, dass es mich schon ein wenig erschreckt hat, als ich im Januar 2020 so langsam begriffen habe, dass ich jetzt 50 Jahre meines Lebens fotografiert habe. Da merkt man plötzlich, dass man nicht mehr ganz jung ist …

      Beste Grüße
      Rainer

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