Grenzfälle

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Wildbach im Harz

Wer neu ist in der Fotografie tut sich meist ein wenig schwer, zu akzeptieren, dass es technische Grenzen für manche Aufnahmen gibt, die man nicht einfach außer Kraft setzen kann. In unseren Kursen zeigen wir immer das Aufmacherbild dieses Blogs mit den technischen Daten dazu. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, dass ein Foto in technischer Hinsicht immer ein Kompromiss ist.

Die Bildidee

Dieses Motiv erforderte aus unserer Sicht unbedingt durchgängige Schärfentiefe von den Felsen im Vordergrund bis zu den Bäumen im Hintergrund. Dafür war natürlich eine kleine Blendenöffnung notwendig. Bedingt durch die Lichtverhältnisse mitten im Wald an einem regnerischen Tag und dem Wunsch nach möglichst guter Bildqualität ergab sich folglich eine lange Belichtungszeit. Hier daher die technischen Daten zum Bild:

  • Brennweite: 28 mm
  • Blende: 16
  • Belichtungszeit: 8 Sekunden
  • ISO-Zahl: 200

Bei einer Belichtungszeit von 8 Sekunden ist das Wasser zwangsläufig verwischt. Wem das nicht gefällt – und das sind nicht wenige Fotografen – muss sich nun entscheiden: Um zu einer kurzen Belichtungszeit zu kommen, muss entweder die Blende weit geöffnet werden oder die ISO-Zahl muss stark erhöht werden. Ein Kompromiss aus mittlerer Blendenzahl und nicht ganz so großer ISO-Zahl ist natürlich auch möglich. Wie auch immer man sich entscheidet: Einen Tod muss man sterben.

Wer sich für eine offene Blende entscheidet, muss mit der geringen Schärfentiefe leben, die zu einem solchen Landschaftsmotiv aus unserer Sicht aber nicht besonders gut passt. Wir würden es als sehr unbefriedigend empfinden, wenn das Bild nicht durchgängig scharf wäre.

Wer sich für eine hohe ISO-Zahl entscheidet, muss das Rauschen akzeptieren.

Wer einen Kompromiss aus mittlerer Blendenzahl und mittlerer ISO-Zahl wählt, hat immer noch Unschärfen im Bild und das Rauschen ist ebenfalls nicht wirklich akzeptabel. Mittelwege führen in der Fotografie eher selten zu überzeugenden Ergebnissen.

Wir haben uns daher für beste Bildqualität und geringes Rauschen entschieden und haben das verwischte Wasser in Kauf genommen.

Durchgängige Schärfentiefe und unverwischtes Wasser?

Klar, das geht. Eventuell. Wenn die Kamera mitspielt.

Um das fließende Wasser wirklich scharf abzubilden, wäre mindestens 1/30, besser aber 1/60 Sekunde notwendig gewesen. Bei Blende 16 und den gegebenen Lichtverhältnissen wäre dann allerdings eine ISO-Zahl von 102.400 erforderlich gewesen. Bei unseren derzeitigen Kameras müsste man mindesten anderthalb Augen zudrücken, um die Bildqualität noch akzeptabel zu finden. Mindestens. Aber abgesehen davon, sind eine Menge Kameras auf dem Markt, die eine so hohe ISO-Zahl gar nicht zulassen.

Fazit

Nicht jede Bildidee ist unter allen Umständen technisch umsetzbar. Sehr oft sind technische Kompromisse notwendig. Man muss daher einfach lernen, diese Kompromisse zu akzeptieren. Was nicht geht, geht eben nicht.

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