Warum ich kleine Kameras nicht mag

bisher Keine Kommentare

Kompaktkamera

Ich hatte ja schon vor vielen Monden einen Beitrag zum Miniaturisierungswahn der Kamerahersteller geschrieben. Dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Aber bei einem unserer Basiskurse war wieder einmal solch ein miniaturisiertes Exemplar anwesend. So sehr ich verstehen kann, dass die Teilnehmerin eine kleine und leichte Kamera wollte, so sehr verstehe ich ihren Frust bei der Bedienung.

Das Problem

Das Gehäuse der besagten Kamera ist so schmal, dass auf der Oberseite nur der Hauptschalter und der kleine Hebel für den Zoom untergebracht werden kann. Die Rückseite wird von einem großzügigen Display beherrscht. Folglich ist auch dort wenig Platz für Bedienelemente. Daher ist das wichtigste Bedienelement, über die auf wesentliche Kamerafunktionen zugegriffen werden kann, ein Multifunktionsschalter ähnlich dem der Kamera auf dem Aufmacherfoto (das runde Bedienelement rechts neben dem Display). Durch Drücken auf die kleinen Symbole erhält man Zugriff auf verschiedene Menüpunkte und durch Drehen des äußeren Rädchens kann man unterschiedliche Einstellungen vornehmen. So weit, so gut, das Konzept kennt man von verschiedenen Kameras. Leider ist dieses Bedienelement (ein besseres Wort fällt mir partout nicht ein … ) wegen der Kleinheit der Kamera, nun, sagen wir einmal, recht feinfühlig ausgelegt. Gut, das ist eine freundliche Umschreibung für „frickelig“. Weder die Finger der Teilnehmerin noch meine Wurstfinger waren in der Lage, dieses Bedienelement so zu nutzen, dass wir ohne Frust die notwendigen Einstellungen vornehmen konnten.

Der Zugriff auf die Menüs mittels der Drucktasten des inneren Rings funktioniert einigermaßen problemlos. Wenn man allerdings die Belichtungszeit oder die Blende verändern will, geschieht das über den äußeren Drehring. Und hier liegt das eigentliche Problem bei der Kamera: Wenn man nicht höllisch aufpasst, landet man beim Verdrehen des Rings versehentlich in einem der Menüs. Da der Drehring auch innerhalb der Menüs zur Einstellung bestimmter Werte genutzt wird, hat man, bevor man es merkt, irgendeinen Parameter verstellt, obwohl man eigentlich nur die Blende anders einstellen wollte. So ist es sowohl der Teilnehmerin als auch mir immer wieder passiert, dass die Kamera geblitzt hat, obwohl wir uns sicher waren, den Blitz deaktiviert zu haben. Es hat ein Weile gedauert, bis wir gemeinsam dahinter gekommen sind, wie das passieren konnte. Beim Verdrehen des sehr schmalen äußeren Rings kommen die Finger gelegentlich auf die Druckschalter des inneren Rings und schon landet man im Menü der Blitzsteuerung. Oder in einem anderen Menü. Sehr unbefriedigend.

Es darf aus meiner Sicht nicht sein, dass die Einstellung der beiden wichtigsten Parameter beim Fotografieren, also Blende und Belichtungszeit, auf demselben Bedienelement liegen, mit dem man auch auf die Menüs zugreift. Und der Grund dafür liegt ganz klar in der Miniaturisierung.

Fazit

Klein und leicht ist ja ganz schön. Aber wenn die Bedienbarkeit so stark leidet, dass man frustriert ist, dann ist die Miniaturisierung zu weit gegangen. Aber möglicherweise liege ich ja daneben und die Käufer solcher Kameras fotografieren nur in der Vollautomatik. Da fallen diese Dinge natürlich gar nicht auf.

 

Verfolgen Rainer Hoffmann:

Letzte Einträge von

Deine Gedanken zu diesem Thema