Motivprogramme – wie sinnvoll sind sie?

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Viele Kameras haben neben den üblichen Belichtungsmodi (Manuell, Blendenpriorität, Zeitpriorität, Programmautomatik und Vollautomatik) noch sogenannte Motivprogramme, die sich bei vielen Einsteigern in die Fotografie großer Beliebtheit erfreuen. Was genau machen die eigentlich und wie sinnvoll sind sie?

Motivprogramme, die unbekannten Wesen

Die Frage, was genau die Motivprogramme eigentlich machen, kann man leider nicht im Detail beantworten. Denn jeder Hersteller kocht da so sein eigenes Süppchen und hat seine ureigene Philosophie dazu. Daher kann ich im Folgenden immer nur die generelle Tendenz angeben. Wer genau wissen möchte, wie seine Kamera in dieser Hinsicht gestrickt ist, den muss ich auf das Handbuch verweisen, in dem hoffentlich genauer beschrieben ist, was die Kamera in den Motivprogramen so macht. Außerdem kann ich mich hier nur auf die vier gängigsten Motivprogramme beschränken. Sonderfälle wie Essen I,  Essen II  oder Baby I muss ich aus hoffentlich verständlichen Gründen außen vor lassen …

Motivprogramm Porträt

Porträt

Im Porträtprogramm wird die Kamera für geringe Schärfentiefe tendenziell mit kleinen Blendenzahlen arbeiten. Um Verwacklung zu vermeiden, wird sie die Belichtungszeit je nach Brennweite des Objektivs auf etwa 1/60 s oder kürzer begrenzen und dafür gegebenenfalls die ISO-Zahl entsprechend erhöhen. Die Serienbildauslösung ist deaktiviert und bei Bedarf wird der Blitz ausgelöst.Die Kamera löst nur aus, wenn der Autofokus korrekt scharf gestellt hat.

Bei der internen Datenverarbeitung werden Farbsättigung und Kontrast für natürliche Hauttöne eher gering ausfallen. Auch die Schärfung wird nicht besonders stark sein, um Hautunreinheiten nicht zu sehr zu betonen.

Motivprogramm Landschaft

Landschaft

Dieses Programm ist in der Regel das genaue Gegenteil des Porträtprogramms. Um durchgängige Schärfentiefe zu erzielen, wird die Kamera möglichst weit abblenden (11?, 16? 22? Wer weiß das schon, schauen Sie in die EXIF Daten). Da die Kamera nicht weiß, ob sie auf einem Stativ steht oder freihand verwendet wird, wird die Belichtungszeit wieder so eingestellt, dass Verwacklungsgefahr weitgehend ausgeschlossen wird. Das hat dann wegen der geschlossenen Blende auch bei relativ guten Lichtverhältnissen nicht selten zur Folge, dass die ISO-Zahl sehr hoch sein muss. Die Serienbildaufnahme ist deaktiviert. Der Blitz wird nicht ausgelöst. Die Kamera löst nur aus, wenn der Autofokus korrekt scharf gestellt hat.

Getreu dem alten Werbeslogan für den Fujichrome Velvia 50 „Farben schöner als die Wirklichkeit“ wird im Landschaftsprogramm die Farbsättigung stark erhöht. Das gilt möglicherweise auch für den Kontrast, ganz sicher aber für die Schärfe.

Motivprogramm Makro

Makrofoto

Da im Nahbereich die Schärfentiefe äußerst gering ist, wird im Makroprogramm die Blende wieder weitgehend geschlossen. Daraus folgen die für Belichtungszeit und ISO-Zahl wieder die gleichen Einstellungen wie im Landschaftsprogramm. Die Serienbildaufnahme ist deaktiviert. Der Blitz wird bei Bedarf ausgelöst. Die Kamera löst nur aus, wenn der Autofokus korrekt scharf gestellt hat.

Wie die Daten dann weiterverarbeitet werden, ist nicht ganz klar. Hinsichtlich Farbsättigung, Kontrast und Schärfe scheinen die verschiedenen Hersteller bei Makrofotos keine einheitliche Linie zu verfolgen.

Motivprogramm Sport

Fußball

Im Sportprogramm liegt der Schwerpunkt natürlich auf kurzen bis sehr kurzen Belichtungszeiten (wie kurz sie sind, könnt ihr wieder den EXIF-Daten entnehmen). Das hat selbst bei guten Lichtverhältnissen eine offene Blende und hohe ISO-Zahlen zur Folge. Die Serienbildaufnahme ist aktiviert. Die Kamera löst auch aus, wenn der Autofokus noch nicht korrekt scharf gestellt hat. Der Autofokus führt automatisch die Schärfe nach, wenn sich das Objekt auf die Kamera zu oder von ihr weg bewegt.

Vermutlich werden die Bilder in Kontrast und Farbsättigung angehoben. Die Nachschärfung dürfte stark ausfallen.

Ein paar Eigenheiten der Motivprogramme

Bei einigen Herstellern ist es in den Motivprogrammen nicht möglich, RAW-Daten aufzuzeichnen. Man ist dann also auf JPGs festgelegt. Außerdem kann es bei einigen Kameramodellen sein, dass eine Belichtungskorrektur nicht mehr möglich ist. Diese beiden Einschränkungen sind offenbar dem Umstand geschuldet, dass die Hersteller glauben, sie dürften den Anwender von Motivprogrammen nicht mit zu vielen Details belasten.

Fazit

Für den Einsteiger können die Motivprogramme interessant sein, da man sich nicht mit den Einzelheiten wie Belichtungszeit, Blende, ISO-Zahl, Autofokusmodus und so weiter auseinandersetzen muss.

Wer sich jedoch mit den Grundlagen der Fotografie auskennt, benötigt die Motivprogramme nicht mehr. Die Einschränkungen sind einfach zu groß. Da insbesondere die ISO-Zahl bisweilen sehr hoch eingestellt wird, obwohl die Kamera auf einem Stativ steht und Verwacklungsgefahr daher nicht gegeben ist, handelt man sich bisweilen eine unnötig schlechte Bildqualität ein. Auch die Belichtungszeit bei Sportaufnahmen muss nicht immer ultrakurz sein. Außerdem möchte man die Kontrolle darüber haben, ob die Kamera blitzt oder nicht. Kameras im hochpreisigen Segment verzichten ganz auf die Motivprogramme, da man annimmt, dass der Anwender sie nicht mehr benötigt.

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