Feindbild Kompaktblitzgerät

bisher 2 Kommentare

Fotograf mit Blitz

Es gibt zwei Arten von Fotografen: Die einen würden das Kompaktblitzgerät nicht mal mit einer Kneifzange anfassen und die anderen gehen nicht ohne die Sonne in der Fototasche aus dem Haus. Die Kneifzangenfraktion ist dabei ganz klar in der Überzahl. Die Gründe für die Abneigung gegen das Blitzgerät sind verständlich, aber weitgehend unbegründet.

Der schlechte Ruf des Blitzgeräts

Der Blitz ist eine Punktlichtquelle. Das ist der Grund für den schlechten Ruf des Blitzlichts. Ein Punktlichtquelle hat nämlich zwei unschöne Eigenschaften, die dazu führen, dass Blitzfotos so häufig unnatürlich und sogar unansehnlich wirken.

1. Die Beleuchtungsstärke einer Punktlichtquelle nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab

Das klingt vielleicht ein wenig kompliziert, ist aber ganz einfach. Die Grafik verdeutlicht, was da abläuft:

Inverse Square Law

Wenn die Beleuchtungsstärke in einem Meter Entfernung vom Blitzgerät gerade den Wert 1 hat, dann ist sie in zwei Meter Entfernung 1/4 und in drei Metern nur noch 1/9. Da die Belichtung des Fotos aber nur auf eine Beleuchtungsstärke abgestimmt werden kann, ergeben sich zwangsläufig unterschiedliche Helligkeiten für unterschiedlich weit von der Kamera entfernte Objekte. Wird die Belichtung auf eine mittlere Helligkeit abgestimmt, sind Objekte im Vordergrund überbelichtet und solche im Hintergrund zu dunkel:

Blitzbeleuchtung

Dieser Effekt tritt bei Tageslicht nicht auf, da die Sonne so weit von der Erde entfernt ist, dass ein paar Kilometer (oder auch tausende von Kilometern) Unterschied im Abstand der Objekte für die Beleuchtungsstärke keine Rolle spielt.

2. Eine Punktlichtquelle erzeugt harte Schlagschatten

Schlagschatten

Wenn die Punktlichtquelle die einzige Lichtquelle ist, kann kein anderes Licht den Schlagschatten aufhellen und er fällt sehr dunkel aus. Je dichter das Objekt am Hintergrund platziert wird, desto scharfkantiger ist der Schatten. Auch dafür ein schönes (eigentlich unschönes) Beispiel:

Blumenvase mit Blumen

Was tun?

Die gute Nachricht zuerst: So schlimm wie in den Beispielen oben ist die Situation nur, wenn das Blitzgerät die einzige oder zumindest die dominierende Lichtquelle ist. Das ist allerdings nur selten der Fall, denn meistens wird der Blitz nur als Aufhelllicht genutzt. Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, seien es Familienfeiern oder Hallensportveranstaltungen, ist allerdings der Blitz meistens die dominierende Lichtquelle und die Bilder sehen entsprechend aus.

Dagegen ist nur ein Kraut gewachsen: Aus der Punktlichtquelle muss eine Flächenleuchte werden. Sobald die lichtabstrahlende Fläche groß wird in Relation zu den fotografierten Objekten werden die geschilderten Probleme abgemildert oder sogar ganz vermieden. In geschlossenen Räumen ist das Zauberwort natürlich „indirekt blitzen“. Das geht allerdings nur, wenn das Blitzgerät einen schwenkbaren Reflektor hat. Dann kann man den Blitz gegen die Decke oder eine Wand des Raumes richten, die dann zu sehr großen Flächenleuchten werden. Das resultierende Licht ist sehr weich und gleichmäßig und die Probleme sind aus der Welt.

Die beiden folgenden Fotos zeigen den Unterschied zwischen direktem und indirektem Blitz.

Direkter Blitz
Direkter Blitz

 

Blitz gegen die Decke gerichtet
Blitz gegen die Decke gerichtet

 

Was aber, wenn man nicht in einem geschlossenen Raum fotografiert und das indirekte Blitzen nicht funktioniert (obwohl ich schon Fotografen gesehen habe, die den Reflektor des Blitzgerätes gen Himmel gerichtet hatten … )? Die Lösung sind natürlich Blitzvorsätze, welche die lichtabstrahlende Fläche vergrößern. Die gibt es reichlich auf dem Markt. Allerdings sind die meisten Lösungen groß und sperrig und kaum für den mobilen Einsatz zu gebrauchen. Wir haben uns daher für einen aufblasbaren Blitzball entschieden, der in jeder Tasche bequem Platz findet und schnell einsatzbereit ist.

Blitzball

Das bringt schon eine ganze Menge, aber ich wünsche mir eine größere Version für noch weicheres Licht. Vielleicht hat der Hersteller ja ein Einsehen und bringt eine größere Version auf den Markt.

Noch ein Wort zur Blitzleitzahl. Wenn möglich sollte man das stärkste Blitzgerät kaufen, dass noch in das Budget passt. Beim Blitzen hat man oft zu wenig aber selten zu viel Licht zur Verfügung. Leitzahlen ab 40 oder höher sollten es daher schon sein.

Im nächsten Blog beschäftigen wir uns mit der kreativen Anwendung des Blitzgerätes jenseits von „hell machen“.

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2 Antworten

  1. Peter Schick
    | Antworten

    Danke, dass du dem Blitz das Wort redest. Er ist sicherlich das verkannteste Foto – Zubehör. Ich gebe allerdings gerne zu, dass ich blitzlos durch die Gegend fahre/wandere. Es ist ein Bereich, in den man sich intensiv einarbeiten muss, damit die Ergebnisse überzeugen und da habe ich noch so viele andere Nischen…..

    • Rainer Hoffmann
      | Antworten

      Leider ist die Blitzfotografie, wenn es denn über bloßes „hell machen“ hinausgeht, nicht ganz ohne theoretisches Grundwissen machbar. Aber wenn man die Prinzipien verstanden hat, kann man ganz tolle Sachen damit machen. Im zweiten Teil zum Blitzen werde ich konkrete Beispiele zeigen.

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