Schwarzweiß analog und digital – Teil 3

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Knoblauch und Tomaten

In den ersten beiden Teile unserer kleinen Serie haben wir uns mit der analogen und digitalen Aufnahmetechnik sowie der weiteren Verarbeitung von Film, Fotopapier und digitalen Daten beschäftigt. In diesem letzten Teil geht es um die Papiere, die in der analogen und digitalen Fotografie für die Präsentation der Bilder zur Verfügung stehen. Diese Papiere hätte ich euch gerne gezeigt, aber da kommt das Internet leider an seine Grenzen.

Fotopapier für die analoge Fotografie

Fotopapier für die analoge Fotografie enthält lichtempfindliche Silberhalogenide, die in einer Gelatineschicht eingebettet sind. Es darf daher logischerweise nur bei Dunkelkammerbeleuchtung verwendet werden. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Papiersorten, die sich in ihren Eigenschaften stark unterscheiden:

Barytpapier

Auf dem Rohpapier ist eine hochweiße Bariumsulfatschicht (auch Baryt genannt) aufgetragen. Darüber liegt die eigentliche lichtempfindliche Schicht aus Silberhalogenidkörnchen, hauptsächlich Silberbromid, eingebettet in Gelatine.

Abzüge auf Barytpapier zeichnen sich durch tiefe Schwärzen und, dank der Barytschicht, durch strahlende Lichter aus. Es ist daher für hochwertige Abzüge besonders beliebt. Allerdings hat es einige Nachteile. So saugt sich der Papierträger bei der Entwicklung mit den Chemikalien voll. Um zu verhindern, dass sich das fertige Bild im Laufe der Jahre verändert, muss das Papier nach der Entwicklung sehr gründlich gewässert werden. Insbesondere Fixierbadreste im Papier können das Bild nachhaltig beschädigen. Auch die Trocknung der Bilder gestaltet sich schwierig. Bei Trockung an der Luft wellt sich das Papier so stark, dass der Abzug unbrauchbar ist. Deshalb benötigt man eine sogenannte Trockenpresse, bei der das Papier während der Trocknung plan gedrückt wird. Dennoch bleibt an den Bildrändern meistens ein leicht gewellter Rand zurück. Daher sind randlose Vergrößerungen oftmals problematisch.

Wenn das Barytpapier während der Trockung gegen ein Leinentuch oder gegen Fließpapier gedrückt wird, entsteht eine leicht glänzende, genarbte Oberfläche. Das ist die bei den meisten Fotografen beliebteste Oberfläche. Eine spiegelnde Hochglanzoberfläche kann erzeugt werden, wenn das Papier während der Trockung gegen eine polierte Metallplatte oder eine Glasscheibe gepresst wird (bei mir hat das nie vernünftig funktioniert, aber das ist eine andere Geschichte).

PE-Papier

Bei PE-Papier sind beide Seiten des Rohpapiers mit einer Polyethylen-(PE-) Schicht versehen. Diese Schicht verhindert weitgehend, dass Chemikalien in den Papierfilz eindringen. Daher sind die Wässerungszeiten im Vergleich zu Barytpapier sehr kurz (wenige Minuten statt 30 – 60 Minuten bei Barytpapier). Die Kunststoffbeschichtung führt auch dazu, dass das Papier bei normaler Luftrocknung völlig plan und ohne jegliche Wellenbildung auftrocknet. Ein spezielles Trockengerät ist also nicht notwendig. Insgesamt ist die Verarbeitung von PE-Papieren deutlich bequemer und schneller als die von Barytpapier.

PE-Papier gibt es üblicherweise in den Oberflächen „Matt“, „Seidenmatt“ und „Hochglänzend“. Eine Beeinflussung der Oberfläche durch die Trocknungsmethode ist nicht möglich.

Entwicklung und Tonung

Sowohl Baryt- als auch PE-Papiere können je nach Papiertyp und Papierhersteller in Kombination mit unterschiedlichen Entwicklern in Ihrem Farbton beeinflusst werden. Die fertigen Abzüge können dann zwischen warmer, neutraler und kühler Wiedergabe der Grautöne variieren. Die Variation ist aber nicht besonders stark und meistens nur im direkten Vergleich erkennbar.

Alle Papier können auf chemischem Weg eine Farbtonung erhalten. Besonders beliebt ist dabei die Sepiatonung, die dem Bild eine deutliche Braunfärbung verleiht. Auch die Blautonung ist beliebt.

Fotopapier für die digitale Fotografie

Die Auswahl an Papieren für den Tintenstrahldruck ist kaum überschaubar. Die Bandbreite reicht dabei von Naturpapieren mit strukturierter Oberfläche über Barytpapier bis hin zu Papieren, die einen spiegelnden Hochglanz ermöglichen. Es ist wirklich schade, dass man die ganz unterschiedlichen Oberflächen und vor allem die Haptik dieser Papiere im Internet nicht vermitteln kann. Das muss man mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Fingern erfühlen.

Da der gesamte Druckprozess praktisch trocken abläuft (die geringe Menge an Tinte, die auf das Papier gespritzt wird, können wir vernachlässigen), bleibt das Papier immer plan und ohne jegliche Wellenbildung. Für konsistente Druckergebnisse ist jedoch ein funktionierendes Farbmanagement erforderlich. Die verschiedenen Papiere erfordern unterschiedliche Tintenmengen und vor allem eine unterschiedliche Farbabstimmung. Deshalb findet man bei den Papierherstellern entsprechende ICC-Profile für alle möglichen Drucker- und Papierkombinationen.

Fazit

So unterschiedlich die analoge und digitale Fotografie auch sein mögen, die künstlerischen und handwerklichen Herausforderungen in der Schwarzweißfotografie sind nach wie vor hoch. Schwarzweiß macht man nicht einfach „so nebenbei“. Man muss sich mit den Möglichkeiten und Grenzen auseinandersetzen, wenn man hochwertige Ergebnisse erzielen möchte.

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