Schwarzweiß analog und digital – Teil 2

bisher Keine Kommentare

Boot auf dem Loch Leane

Im ersten Teil von „Schwarzweiß analog und digital“ haben wir uns mit den Unterschieden bei der Aufnahmetechnik befasst. im zweiten Teil geht es um den Entwicklungsprozess. Dabei werden sich weitere deutliche Unterschiede zwischen der analogen und digitalen Welt zeigen. Aber sind es nicht gerade die Unterschiede, die die Faszination ausmachen?

  • Negativentwicklung analog

Schon als es nur die analoge Fotografie gab, haben viele (Hobby-) Fotografen der Negativentwicklung zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das kann ich in gewisser Weise nachvollziehen. Das Einspulen des Films in die Entwicklerdose erfordert viel Übung. Und selbst dann kommt es vor, dass der Film irgendwo hakt und sich partout nicht komplett einspulen lassen will. Die eigentliche Entwicklung ist dann auch nicht besonders spannend. Sie erfordert aber hohe Präzision. Entwickler- und Fixierbadtemperatur müssen möglichst genau eingehalten werden und der richtige  Kipprhythmus der Dose ist ebenfalls wichtig für ein gutes Entwicklungsergebnis. Verglichen mit der Positiventwicklung ist der Spaßfaktor bei der Filmentwicklung eher gering.

Aber die Filmentwicklung entscheidet über die Qualität des Negativs und die Vergrößerbarkeit. Wichtig ist vor allem die Gradation des Negativs. Für eine ausgewogene Grauwertverteilung muss die Entwicklung auf die Belichtung des Films abgestimmt werden. Bei hohem Motivkontrast zum Beispiel wird der Film reichlich belichtet, aber knapp entwickelt. Ansel Adams hat für eine präzise Abstimmung von Belichtung und Filmentwicklung das Zonensystem entwickelt. Mehr darüber findet ihr unter diesem Link. Außerdem hat der verwendete Entwickler erheblichen Einfluss auf die Empfindlichkeitsausnutzung des Films und die Körnigkeit. Belichtung und Entwicklung des Films können also nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Daher ist auch die Entwicklung von Schwarzweißfilmen im Großlabor problematisch. Da dort immer größere Mengen unterschiedlicher Filme, die zudem auch noch alle unterschiedlich belichtet sein dürften, in „einem Rutsch“ entwickelt werden, muss ein sogenannter Ausgleichsentwickler verwendet werden. Das kann im Einzelfall zu einem guten Negativ führen. In der Masse aber sind die Ergebnisse bestenfalls brauchbar.

Die Negativentwicklung ist daher ein wichtiger Schritt zum fertigen Bild.

  • Negativentwicklung digital

Klar, die entfällt. Auch wenn man bei Rohdaten manchmal von Entwicklung spricht, so ist das doch eher mit der Positiventwicklung in der analogen Fotografie vergleichbar.

  • Positiventwicklung analog.

An dieser Stelle will ich nichts zur Geräteausstattung einer Dunkelkammer sagen. Wer sich da nicht auskennt, schaut einfach mal hier: Dunkelkammerausstattung

Das Vergrößern der Negative ist der Teil der analogen Schwarzweißfotografie, den ich immer besonders genossen habe. Es war und ist immer wieder ein spannender Augenblick, wenn das Bild langsam im Entwickler sichtbar wird, wenn auch bei der schwachen Dunkelkammerbeleuchtung. Ich gebe zu, das fehlt mir im digitalen Hellraum …

Bei der Vergrößerung wird festgelegt, wie die Helligkeitswerte des Negativs auf das Positiv übertragen werden. Das wichtigste Hilfsmittel, neben der Grundbelichtung des Bildes auf das Fotopapier, ist dabei die Papiergradation. Eine niedrige Gradation ( 0 oder 1) führt zu einem weichen, kontrastarmen Positiv. Mittlere Gradation ( 2 oder 3) entsprechend zu mittlerem Kontrast und eine hohe Gradation (4 oder 5) folglich zu einem kontrastreichen Bild. Mit den unterschiedlichen Gradationen kann man logischerweise auch unterschiedliche Negativkontraste ausgleichen. Bei einem harten, also sehr kontrastreichen, Negativ (im Jargon auch „Knochen“ genannt), kann eine niedrige Papiergradation unter Umständen noch zu einem ausgeglichenen Positiv führen. Mit den sogenannten Gradationswandelpaperen erhält man mit einer Papiersorte durch unterschiedliche Farbfilter während der Vergrößerung die Gradationen von 0 bis 5.

Trotz unterschiedlicher Papiergradationen ergibt die einfache Belichtung des Negativs auf das Fotopapier selten ein perfektes Ergebnis. In aller Regel müssen für ein überzeugendes Schwarzweißbild bestimmte Bildbereiche partiell abgedunkelt oder aufgehellt werden. Zu helle Bereiche werden nachbelichtet, sie erhalten also zusätzliches Licht. Zu dunkle Bereiche werden dagegen während der Grundbelichtung „abgewedelt“, z.B. indem ein Stück Karton während eines Teils der Belichtung in den Strahlengang des Vergrößerers gehalten wird. Ständige Bewegung ist dabei wichtig, damit keine scharfkantigen Hell-Dunkel-Übergänge entstehen Dieses Vorgehen gehört zur hohen Schule in der klassischen Dunkelkammertechnik und jeder Analogfotograf sollte es beherrschen.

Der eigentliche Entwicklungsprozess ist dann recht geradlinig: Entwicklung, Zwischenwässerung, Fixierung, Schlusswässerung. Diese Schritte werden einfach nach Rezept (Temperatur, Einwirkungszeit, Bewegung des Papiers in den Bädern) durchgeführt. Anders als bei der Filmentwicklung hat der verwendete Entwickler nur geringen Einfluss auf die Bildwiedergabe. Mehr dazu im dritten und letzten Teil.

  • „Positiventwicklung“ digital

Da es sich eingebürgert hat, bei der Bearbeitung insbesondere von Rohdaten von „Entwicklung“ zu sprechen, benutze ich diesen Begriff hier auch. Obwohl ich lieber von „Interpretation“ der Daten spreche.

Grundsätzlich haben wir in der digitalen Schwarzweißfotografie zwei Möglichkeiten der Schwarzweiß-Umsetzung:

  • Das Schwarzweißbild wird direkt in der Kamera erzeugt
  • Das Schwarzweißbild wird in der Nachbearbeitung aus dem Farbbild erzeugt.

In der Kamera

Wenn man den Schwarzweißmodus (manchmal auch „Monochrom“ genannt) in der Kamera aktiviert, übernimmt die Kamera die Konvertierung der Daten in schwarzweiß. Üblicherweise stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, welche die in der analogen Fotografie üblichen Farbfilter simulieren (siehe Teil 1). Auf die Umwandlung der Farben in Grauwerte hat man also nur bedingt Einfluss. Die Bilder können allerdings mit den üblichen Werkzeugen der digitalen Bildbearbeitung, insbesondere den Gradationskurven sowie dem Nachbelichten- und Abwedelnwerkzeug weiter bearbeitet werden. Da die Schwarzweißbilder notwendigerweise als JPG-Dateien vorliegen (die RAW-Dateien sind nach wie vor farbig), sind die Bearbeitungsmöglichkeiten beschränkt.

In der Nachbearbeitung

Wenn die Umwandlung des Farbbildes in ein Schwarzbeißbild in der Nachbearbeitung erfolgt, sollte man am Besten mit Rohdaten arbeiten. Anders als bei der Konvertierung in der Kamera hat man die volle Kontrolle darüber, wie die einzelnen Farben des Motivs in Grauwerte übertragen werden. Der folgende Screenshot aus Lightroom zeigt das generelle Prinzip:

Schwarzweißumwandlung in Lightroom

Im obigen Beispiel sind die Rot- und Orangetöne aufgehellt (positive Werte) und die Gelb-, Grün- und Blautöne abgedunkelt worden (negative Werte). Diese Vorgehensweise bietet erheblich mehr Möglichkeiten der Tonwertsteuerung als der Einsatz von Filtern in der analogen Fotografie, weil man sozusagen beliebig viele Farbfilter gleichzeitig verwenden kann. Bei den Aufnahmefiltern kann man logischerweise nur einen Filter benutzen, da mehrere Filter sich in ihrer Wirkung aufheben würden.

Nach der Schwarzweißumwandlung können die Bilder ebenfalls mit den üblichen Bildbearbeitungswerkzeugen weiter optimiert werden.

Im dritten und letzten Teil dieser Miniserie geht es dann noch um die verschieden Papiere für Schwarzweißbilder.

Deine Gedanken zu diesem Thema