Schwarzweiß analog und digital – Teil 1

bisher Keine Kommentare

Schafe auf dem Deich

Einige von euch wissen ja, dass ich von der“klassischen“ Schwarzweißfotografie komme. Die Stunden und Tage, die ich in der Dunkelkammer mit Hydrochinon und anderen nicht unbedingt gesundheitsfördernden Substanzen verbracht habe, sind vermutlich nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Ganz bestimmt nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist die Liebe zur Schwarzweißfotografie und vor allem die handwerkliche Sorgfalt, die ein gutes Schwarzweißfoto erfordert.

Schwarzweiß analog und digital – die Gemeinsamkeiten

Die Motive, die sich für schwarzweiß eignen oder weniger eignen, sind sicherlich unabhängig davon, ob sie analog oder digital fotografiert werden. Wichtig ist in jedem Fall eine motivgerechte Umsetzung der Farben in Grauwerte. Und das lässt sich natürlich sowohl analog als auch digital bewerkstelligen. Nur die Methoden dafür sind andere.

Der Verzicht auf Farbe führt zu einer starken Abstraktion und damit zu Bildern, die viel weiter von der Wirklichkeit entfernt sind, als jedes Farbfoto. Die Entscheidung ein Motiv in Grautönen abzubilden, ist daher immer auch die Entscheidung, dem Betrachter eine Verfremdung der Realität zu zeigen. In dieser Hinsicht sehe ich absolut keinen Unterschied zwischen analog und digital.

Auch die handwerklichen Anforderungen an den Schwarzweißfotografen sind nach wie vor hoch. Allerdings haben sich natürlich die handwerklichen Herausforderungen mit dem Übergang von analog zu digital verlagert. Dazu später mehr. Gleich geblieben ist aber, dass die Schwarzweißfotografie, von der Aufnahme bis zum fertigen Bild, ein durchgängiger Prozess ist, den man als Fotograf nicht aus der Hand geben sollte. Auch nicht teilweise.

Schwarzweiß analog und digital – die Unterschiede

  • Aufnahmetechnik analog

Bereits die Filmwahl hat in der analogen Schwarzweißfotografie entscheidenden Einfluss auf die Bildqualität und Bildwirkung. Insbesondere die ISO-Zahl, die (zusammen mit der Entwicklung) die Körnigkeit und das Gradationsverhalten des Films bestimmt, sollte auf das jeweilige Motiv und die beabsichtigte Bildwirkung abgestimmt sein. Nicht jedem Motiv steht deutliches Korn gut und umgekehrt.

Die Belichtung sollte so gewählt werden, dass möglichst alle im Motiv vorkommenden Helligkeitswerte auf dem (mehr oder weniger) geradlinigen Teil der Schwärzungskurve zu liegen kommen. Das ist die beste Voraussetzung für problemlose Abzüge vom jeweiligen Negativ. Da das Gradationsverhalten und der Kontrastumfang des Films in weiten Grenzen durch die Entwicklung (über Entwicklertyp und Entwicklungszeit) gesteuert werden kann, ist der Motivkontrast bereits bei der Aufnahme zu berücksichtigen. Eine separate Messung der Lichter- und Schattenpartien des Motivs gibt darüber Aufschluss. Darauf basierend kann dann die Entwicklung des Films so gesteuert werden, dass auch hohe Motivkontraste vom Film bewältigt werden können.

Die Umsetzung der Farben in Grautöne kann in der analogen Fotografie bereits bei der Aufnahme über die Verwendung von Farbfiltern gesteuert werden. Das Funktionsprinzip der Farbfilter ist dabei immer gleich: Ein Filter lässt Licht seiner Eigenfarbe passieren und sperrt das Licht der Komplementärfarbe. Ein Gelbfilter lässt also gelbes Licht durch und sperrt blaues Licht. Im positiven Schwarzweißbild werden daher gelbe Objekte heller und blaue Objekte dunkler wiedergegeben. Die üblichen Farbfilter für die Schwarzweißfotografie sind Gelb-, Orange-, Rot- und Grünfilter. Die Wirkung dieser Filter illustrieren die folgenden Bilder:

Filterwirkung

  • Aufnahmetechnik digital

Außer der Wahl der ISO-Zahl haben wir in der digitalen Fotografie leider keine Möglichkeit, die Wiedergabecharakteristik des Sensors zu beeinflussen. Das gilt insbesondere für den Dynamikumfang, den der Sensor bewältigen kann. Zwar gilt auch in der digitalen Fotografie, dass wir versuchen sollten, alle Helligkeitswerte des Motivs aufzuzeichnen. Allerdings fehlt die Möglichkeit, das Gradationsverhalten über die Negativentwicklung steuern zu können. Es hilft also nur der Blick auf das Histogramm, um sicherzustellen, dass alle Tonwwerte des Motivs vorhanden sind. Sollte der Kontrastumfang des Motivs den Dynamikumfang des Sensors übersteigen, muss man sich entscheiden, ob die Schatten- oder die Lichterpartien für das Bild wichtiger sind. Persönlich kann ich meistens eher mit zugelaufenen Schatten als mit ausgefressenen Lichtern leben. Das hängt allerdings auch stark vom jeweiligen Motiv ab.

Die Verwendung der aus der analogen Fotografie bekannten Farbfiltern ist in der digitalen Fotografie nicht nur nicht notwendig, sondern sogar kontraproduktiv. Ein Rotfilter würde etwa dazu führen, dass der Grünkanal des digitalen Bildes praktisch keine nutzbare Information mehr enthält, da der grüne Lichtanteil fast komplett ausgefiltert wird. Eine Ausnahme von dieser Regel bilden nur einige spezielle Schwarzweißkameras, wie etwa die Leica Monochrom. Bei diesen Kameras, die nur für Helligkeiten, nicht aber für Farben empfindlich sind, erfüllen die klassischen Farbfilter den gleichen Zweck wie in der analogen Schwarzweißfotografie.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass in der digitalen Schwarzweißfotografie bei der Aufnahme lediglich eine möglichst präzise Belichtung wichtig ist.

Im zweiten Teil dieses Blogs geht es um die Entwicklung von Film, Abzug und (Roh-) Dateien.

Bleibt dran!

Verfolgen Rainer Hoffmann:

Letzte Einträge von

Deine Gedanken zu diesem Thema