Bridgekameras – Die ultimativen Fotomaschinen?

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Stahlbrücke

Bridgekameras heißen ja bekanntlich Bridgekamera weil sie die Lücke zwischen den großen, schweren Spiegelreflexkameras und den kleinen, leichten Kompaktkameras überbrücken sollen. Sie müssen also einerseits klein und leicht sein und andererseits die Möglichkeiten von Kameras mit Wechselobjektiven bieten. Da sie diese Anforderungen großteils erfüllen, erfreuen sie sich auch in Zeiten der spiegellosen Systemkameras nach wie vor großer Beliebtheit.

Das bieten Bridgekameras

Ich habe mal nur so zum Spaß die technischen Daten der Nikon Coolpix P1000 herausgesucht:

  • 16-Megapixel CMOS Sensor
  • 7 Bilder pro Sekunde
  • Gewicht: 1.415 gr
  • Objektiv: 4,3 – 539 mm, 1:2,8 – 8
  • Naheinstellgrenze: 1 cm (im Makromodus bei Weitwinkeleinstellung)

Na gut, mit 1.415 gr ist sie nicht gerade ein Leichtgewicht. Das relativiert sich aber, wenn man die Brennweite berücksichtigt. Denn die ist umgerechnet auf das Kleinbildformat 24 – 3.000 mm. Das muss man sich mal im Munde zergehen lassen. Eines der langbrennweitigsten Objektive für das Kleinbildformat ist das Canon EF 1.200 mm 1:5,6 L. Das wiegt 16,5 kg und ist fast einen Meter lang (lasst uns nicht vom Preis reden …). Bei gerade mal etwas mehr als einem Drittel der Brennweite der Coolpix P1000. Mit anderen Worten: Wenn man den Brennweitenbereich des Objektivs berücksichtigt, dann ist diese Bridgekamera tatsächlich ein ultraleichtes, kompaktes Wunderwerk. Da kann keine Spiegelreflex- oder spiegellose Systemkamera mithalten. Nicht mal annähernd.

Wie geht das denn?

Habt ihr euch das auch gefragt? Die Antwort ist ganz einfach: Wenn man eine (relativ) kompakte Kamera mit solchen technischen Daten bauen will, dann geht das nur, wenn der Sensor klein ist. Bei der Coolpix P1000 hat er eine Diagonale von ca. 11 mm. Zum Vergleich: Die Sensordiagonale einer Vollformatkamera beträgt etwa 43 mm. Je größer der Sensor, desto größer ist zwangsläufig auch das Objektiv, da es einen größeren Bildkreisdurchmesser erzeugen muss. Das heißt nun nicht, dass es einfach wäre, ein Objektiv mit einer Brennweite von 4,3 bis 539 mm zu bauen. Ganz im Gegenteil. Es bedeutet aber, dass es praktisch unmöglich ist, ein Objektiv mit dem entsprechenden Brenweitenbereich für das Vollformat zu bauen. Insbesondere, wenn man noch die Anfangsöffnung von 1:2,8 berücksichtigt.

Die perfekte Kamera?

Wenn man den Brenweitenbereich der P1000 anschaut, dann bleiben kaum Wünsche offen. 3.000 mm ist mehr als man sich als Spiegelreflexfotograf jemals erträumen konnte. Auch die Naheinstellgrenze ist phänomenal. Und selbst wenn man nicht solch einen Boliden von Bridgekamera sein eigen nennt, glänzen doch die meisten Exemplare dieser Gattung mit Brennweiten, die jeden Besitzer einer anderen Kameragattung vor Neid erblassen lassen.

Lediglich bei den kurzen Brennweiten würde ich mir noch etwas weniger wünschen. 24 mm ist zwar schon ein recht ordentliches Weitwinkel, aber persönlich mag ich die Superweitwinkelobjektive mit 16 mm oder noch weniger. Das dürfte aber bei einer Bridgekamera äußerst schwierig werden. Denn je kleiner der Sensor, desto problematischer ist die optische Konstruktion von ganz kurzen Brennweiten.

Was mir jedoch ganz grundsätzlich an Kameras mit kleinem Sensor nicht gefällt, ist die systembedingt große Schärfentiefe auch bei offener Blende. Klar, bei den langen Brennweiten dürfte die Schärfentiefe auch bei Blende 8 oder 11 marginal sein. Aber die weitaus meisten Fotos entstehen bei kurzen und mittleren Brennweiten bis etwa 150 mm oder 200 mm. In dem Brennweitenbereich kann man mit einer Bridgekamera nur bedingt mit selektiver Schärfe arbeiten. Das geht halt nur mit einem halbwegs großen Sensor. Und dann sind wir leider wieder bei großen, schweren und teuren Objektiven. Das verdanken wir leider den Gesetzen der Optik. Da beißt die Maus keinen Faden ab!

Und dann ist da noch ein kleines Problem

Dieses Problem hat aber nichts mit den Bridgekameras an sich zu tun. Es ist vielmehr ein mentales Problem der Benutzer. Wer zu einer Bridgekamera greift, tut das, weil er oder sie mit möglichst wenig Ausrüstung viele fotografische Möglichkeiten abdecken möchte. Klein und leicht soll es sein. Meistens, so die Erfahrung aus unseren Kursen, besitzen diese Personen kein Stativ. Und wenn, dann konsequenterweise ein kleines, leichtes wackeliges. Folglich wird dann auch bei längster Brennweite aus der Hand fotografiert. Das führt, trotz Stabilisator, zur Verwacklung. Ich behaupte einfach, dass kein Mensch bei 3.000 mm (oder auch nur 1.200 mm) Brennweite die 1/250 s verwacklungsfrei hin bekommt. Wer seine Bilder nie größer als 10 x 15 cm ausdruckt, wird das aber vielleicht nicht bemerken …

 

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2 Antworten

  1. samsmith1337
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    Dieser Artikel ist was ich gesucht habe! Vielen Dank für die nützlichen Informationen 🙂

    • Rainer Hoffmann
      | Antworten

      Freut mich!

Deine Gedanken zu diesem Thema