Ein Hoch auf den Diaabend

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Dias in Diarähmchen

Hach, was waren das für Zeiten! Wenn man zum Diaabend eingeladen wurde, meine ich. Können Sie sich noch daran erinnern? Es gab was zum Knabbern und Wein oder Bier, der Raum wurde verdunkelt, der Diaprojektor eingeschaltet, das Magazin eingeschoben und mit deutlich vernehmbarem Klappern und Knirschen wurde das erste Diapositiv des Italienurlaubs in den Schacht des Projektors befördert. Toll, ein echtes Erlebnis war das. Wirklich!

Und heute?

Knabberkram und Wein sind geblieben. Immerhin. Aber sonst? Ich bin ja bekannt dafür, dass ich mich bisweilen in Rage rede. Und bei diesem Thema lässt sich das mal wieder nicht vermeiden. Aber sowas von gar nicht vermeiden! Was soll ich sagen, früher war halt alles besser. Deshalb erst mal ein kurzer Rückblick. Als Erinnerungshilfe für die Älteren unter uns und als Erklärung für das junge Gemüse.

Die guten alten Zeiten

Diafilm war teuer. Da hat man halt drei oder fünf Filme á 36 Aufnahmen mitgenommen. Man hatte dann also 100 bis 150 Aufnahmen für den ganzen Urlaub. Das war nicht viel, aber man musste ja sparen.

Und wenn man dann wieder zuhause war und die entwickelten Diafilme endlich auf dem Tisch lagen, dann mussten die Dias auch noch gerahmt werden. Das verursachte also nochmal Kosten. Und vor allem Mühe. 150 Dias zerschneiden und rahmen, das macht man nicht mal so eben nebenbei. In die Magazine mussten die Dias auch noch befördert werden. Möglichst richtig herum. Also nicht auf dem Kopf stehend oder seitenverkehrt. Oder beides. Da musste man schon aufpassen.

Licht aus, Projektor an

Welch ein Moment, wenn die schönen bunten Bilder an die Wand geworfen wurden. Oder noch besser, an eine richtige Leinwand. Bessere Bildqualität und so. Ok, da war dann doch noch das eine oder andere kopfstehende Bild. Ganz zu schweigen von all den über- und unterbelichteten, verwackelten und sonstwie verunglückten Lichtbildern. Aber mit dem Wein war das schon auszuhalten. Alles gut.

Klingt gar nicht so toll, finden Sie? War es auch nicht. Der Diaabend war bei fast allen Beteiligten verhasst. Nur der Fotograf selbst war da eine Ausnahme. ABER: Nach 150 Dias war Schluss! Aus die Maus. Fini. Schicht im Schacht. Kosten und Mühe und so.

Auftritt USB Stick

Vorspulen ins 21. Jahrhundert.

Heute wird nicht mehr verdunkelt. Heute wird einfach nur der USB Stick in den USB Port des 4K Fernsehers gesteckt und los geht’s. Sonst ist alles beim Alten geblieben. Knabberkram und Wein, unscharf, verwackelt und falsch belichtet, alles wie gehabt.

Wo ist dann das Problem, fragen Sie?

Es ist 10 mal schlimmer als beim Diaabend. Denn heute müssen wir uns 1.500 Bilder vom Italienurlaub anschauen (1.500 / 150 = 10 QED). Der Erfinder des USB Sticks gehört … das sage ich jetzt lieber nicht, denn das könnte justitiabel sein. Und für die Fotografen, die uns das antun, gilt genau das, was auf den ganz alten D-Mark Scheinen stand (auf denen vor der Wende):

Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte Banknoten in Umlauf bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

 

Ihre

Louise von Tharau

 

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2 Antworten

  1. Peter Schick
    | Antworten

    Liebe Luise,
    Zuchthaus musst du heute nicht mehr befürchten, denn das ist einer Justizreform (oder Reformjustiz???) zum Opfer gefallen.
    Deinen Rückblick in nicht wirklich bessere Zeiten kenne ich nur zu gut und auch die Gegenwart ist mir geläufig. Die Flut an Bilder – allerortens – hat so zugenommen, dass wir daran ersticken und Probleme haben, die wirklich guten – die gibt es!!!! – auszufiltern.
    Nein, die alten Zeiten wünsche ich mir nicht zurück, aber die Einsicht des Fotografen, dass er allein Urheber der Fotos und – noch wichtiger – seiner Erinnerungen ist. Letztere kann niemand mit ihm teilen und dies muss ihm bewusst sein. Daher gilt der alte Spruch unverändert: Weniger ist mehr..

    • Louise von Tharau
      | Antworten

      Lieber Peter,
      auch wenn es kein Zuchthaus mehr gibt, so bin ich doch vorsichtig mit meinen Äußerungen. Zu leicht steht man, auch als kleine Ente, vor dem Kadi.
      Aber es ist nicht nur der USB-Stick. Auch das Fotobuch ist heute zum malträtieren von Freunden und Verwandten sehr beliebt geworden. Auch da wäre eine Beschränkung auf ein paar gute Fotos wichtig. Rainer sagt in den Fotokursen immer, dass man nach der Rückkehr aus dem Urlaub ein paar Wochen oder besser ein paar Monate warten sollte, bevor man ein Fotobuch gestaltet. Denn viele Fotos verlieren im Laufe der Zeit an Qualität.

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