Fotofastfood

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Pizza im Karton

Vor vielen Monden, noch niemand nahm die digitale Fotografie wirklich ernst, hatte Rainer eines dieser Schlüsselerlebnisse, die das persönliche Weltbild unwiderruflich verändern.

Ab in die Tonne

Beim Fotohändler seines Vertrauens wartete er an der Kasse, um die frisch erstandenen Diafilme zu bezahlen. Vor ihm wurden zwei junge Damen, wohl noch keine 20, bedient. Sie bekamen die bekannte Tüte mit den frisch entwickelten Fotos, 10x15cm, seidenmatt, ausgehändigt. Sofort wurden die Bilder ausgepackt und unter vielen „Aah‘s“ und „Ooh‘s“ und „Ach, guck mal‘s“ bewundert. Nachdem alle 36 Abzüge derart begutachtet worden waren, wanderten sie… direkt in den Mülleimer. Rainer war sprachlos.

Wenn Sie diesen Blog lesen, gehören Sie vermutlich auch zu den Zeitgenossen, denen angesichts dieses Verhaltens die Worte fehlen. Oder vielleicht doch nicht?

Wertverlust

Seit dieses denkwürdigen Erlebnisses sind über 20 Jahre vergangen. Die Welt ist noch schnelllebiger geworden und Fotos sind, nicht zuletzt durch die Digitalisierung, endgültig zum Massenprodukt geworden. Wie Hamburger. Oder Coke. Allein die täglich mit dem Handy produzierten Selfies dürften in die Millionen gehen. Apropos Handy: Hat eigentlich die Apple Watch eine eingebaute Kamera? Aber egal, so wie die Menge der produzierten Fotos zugenommen hat, so ist der Anspruch an die Bilder gesunken. Und mit dem Anspruch auch die Wertschätzung von Fotos.

„Von der Tüte in die Tonne“, das war einmal. Wir sind mindestens einen Schritt weiter. „Vom Handy direkt auf Whatsapp“ ist jetzt die Devise. Und von dort verschwinden sie ganz einfach und in kürzester Zeit in den Tiefen des Internets. Zwar existieren sie noch auf irgendeinem Server, aber das Licht der Welt erblicken sie kaum noch. Denn wen interessiert schon noch das Bild von gestern, wo es doch in jeder Sekunde ganz neue, ganz frische Selfies gibt. Fotos sind längst zu einer Form des Fast Food degeneriert. Ex und hopp.

Man mag den Wertverlust der Fotografie bedauern. Aber diese Tendenz wird sich nicht umkehren lassen. Alles was wir tun können, ist, unser persönliches Interesse und unsere Begeisterung für die Fotografie nicht einschlafen zu lassen. In all der Bilderflut können wir immer noch Fotos finden, die uns berühren und die uns ansprechen.

Wir müssen nur wollen.

 

Ihre Louise von Tharau

 

Disclaimer: Die Artikel in der Rubrik „Louises Welt – Abgewatschelt“ stellen nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion dar

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