Die 50 mm Challenge – Teil 1: Was war gut?

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Festbrennweite 50 mm

Wenn wir verreisen, dann primär, um Fotos zu machen. Und das ist dann alles andere als Urlaub. Aber diesmal wollten wir tatsächlich einfach mal entspannen und französische Lebensart genießen. Ganz ohne Fotorucksack, Laptop und was sonst noch zu einer Fotoreise gehört. Eigentlich wollten wir die Kamera ganz zuhause lassen. Aber drei Tage vor der Abreise kamen uns dann doch bedenken …

Geht es wirklich ganz ohne Kamera?

Nein. Uns wurde dann doch klar, dass eine Reise ganz ohne Kamera wider unsere Natur ist. Was tun? Reicht das Handy? Wenn nein, was dann? So wurde die Idee der 50 mm Challenge geboren: Drei Wochen Frankreich nur mit einem kleinen Gehäuse (dazu ein wenig mehr in Teil 2) und das 50 mm / 1:1,4. Na, ist das eine Herausforderung oder was? Zwar empfehlen wir in unseren Kursen oft, mal einen Tag lang nur mit einer Brennweite zu fotografieren. Aber drei Wochen lang und dann noch mit dem optisch nicht sehr spektakulären Normalobjektiv, das ist dann doch eine andere Sache. Aber gut, Cartier-Bresson hat das ein Leben lang gemacht (nun ja, nicht nur …) da werden wir das ja wohl drei Wochen lang schaffen. Oder etwa nicht? Hier sind unsere Erfahrungen.

Die neue Leichtigkeit

Besitzer von Kompaktkameras oder spiegellosen Systemkameras lächeln jetzt vielleicht mitleidig. Aber für uns, die wir immer noch mit vergleichsweise großen und schweren Kameras hantieren, ist das schon eine neue Erfahrung. Ok, das stimmt jetzt nicht so ganz. Denn als wir mit dem Fotografieren angefangen haben, damals in der guten alten Zeit, hatte man ja auch nur ein Gehäuse und das 50er. Aber das ist zumindest bei mir fast 50 Jahre her (ich verrate jetzt nicht, wie lange es bei Simone her ist) und entsprechend verschwommen ist die Erinnerung an diese Zeit.

Das Gehäuse (ohne Batteriehandgriff) und das 50er sind tatsächlich so leicht, dass man das Gewicht kaum merkt. Einfach über die Schulter gehängt kann man sich frei bewegen und hat sogar noch die Hände frei für die Einkäufe, die zumindest Simone und ich auf den südfranzösischen Märkten geradezu zwanghaft tätigen müssen (Knoblauch, Käse, Würstchen, Tomaten, Oliven, Fougasse …). Sehr praktisch ist es auch, dass man in der Brasserie oder im Restaurant nicht dumm auffällt, anders als wenn man mit einem Rucksack bepackt dort einfällt (viel Platz ist ja üblicherweise nicht in französischen Gourmet-Tempeln). Und auch in ein Museum oder ein Geschäft kann man gehen, ohne sich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen zu fühlen. Alles super so weit.

Was war gut?

Positiv fällt natürlich zunächst die hohe Anfangsöffnung von 1:1,4 auf, die man bei anderen Objektiven, von wenigen, unschön teuren Ausnahmen einmal abgesehen, eher nicht hat. Gerade in mittelalterlichen Kirchen, die man in Frankreich in jedem Dorf findet, macht sich die Anfangsöffnung natürlich sehr positiv bemerkbar. Das helle Sucherbild (nein, ich nutze immer noch nicht das Display!) vereinfacht die Komposition in dunklen Innenräumen ungemein. Aber vor allem ermöglicht die hohe Anfangsöffnung natürlich vergleichsweise kurze Belichtungszeiten bei moderaten ISO-Zahlen. Und Schärfentiefe ist sowieso überbewertet! Nein, im Ernst, wenn der Einsatz eines Stativs nicht möglich ist, dann freue ich mich, überhaupt ein Foto machen zu können, auch wenn ich mir eine größere Schärfentiefe gewünscht hätte. Fotografie hat auch immer mit Kompromissen zu tun.

Lichtmalerei

Die Einschränkung der festen Brennweite ist natürlich offensichtlich. Aber wir haben diese Tatsache weniger als Beschränkung denn als kreative Herausforderung empfunden. Nicht einfach am Zoomring drehen zu können zwingt den Fotografen dazu, sich zu bewegen. Und das führt bekanntlich zu anderen Perspektiven. Die sind zwar nicht immer aufregend, aber manchmal eben doch. Auf jeden Fall erkundet man sein Motiv fast zwangsläufig intensiver als mit dem Zoom.

Die Normalbrennweite erzeugt bekanntlich eine Abbildung, die dem menschlichen Sehen sehr nahe kommt. Das ist in der Regel wenig spektakulär. Aber auch das muss kein Nachteil sein, denn man kann durch verschiedene Maßnahmen das Bild trotzdem spannend machen. Dazu mehr in Teil 3.

Zwischenfazit

So weit alles gut!

Fortsetzungen folgen:

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