Automatischer Weißabgleich

bisher Keine Kommentare

Buntes Kinderspielzeug

Wir alle kennen das Problem bei der Belichtungsmessung. Ist das Motiv überwiegend hell, sagen wir mal eine weiß gestrichene Hausfassade, dann führt das zu einer knappen Belichtung. Die Fassade ist dann im Bild nicht weiß sondern grau. Ist das Motiv dagegen überwiegend dunkel, also z. B. ein formatfüllend aufgenommener schwarzer Hund, dann wird der Hund ebenfalls grau statt schwarz abgebildet. Deshalb nutzen wir in solchen Situationen die Belichtungskorrektur. Was ist aber mit dem automatischen Weißabgleich?

Wie funktioniert der automatische Weißabgleich?

Leider halten sich die Hersteller ein wenig bedeckt, welche Algorithmen sie genau für den Weißabgleich einsetzen. Es gibt aber zwei Grundannahmen, die man benutzen kann:

  • Annahme 1: Die hellste Stelle im Bild ist weiß und wird für den Weißabgleich benutzt
  • Annahme 2: Im Motiv kommen alle (Grund-) Farben in etwa gleichen Anteilen vor

Hier ein Beispiel für die Annahme 1:

Noratlas

Hier hat der automatische Weißabgleich absolut problemlos funktioniert. Das Bild ist völlig ohne Farbstich (die bläulichen Reflexe auf dem vorderen Flugzeug kommen vom blauen Himmel und sind daher kein Farbstich).

Und ein Beispiel für Annahme 2:

Buntes Kinderspielzeug

Auch in diesem Fall funktioniert der automatische Weißabgleich wie erwartet. Da alle Farben mehr oder weniger gleiche Flächen einnehmen, ist das Ergebnis ohne erkennbaren Farbstich.

Aber selbst wenn nicht alle Farben im Motiv vorkommen, funktioniert der automatische Weißabgleich meistens sehr gut. Auch wenn nur zwei Farben das Bild dominieren, insbesondere wenn es Komplementärfarben sind, kommt der Algorithmus der Kamera zu guten Ergebnissen:

Radieschen

Allerdings sollte man Annehmen, dass der automatische Weißabgleich immer dann versagt, wenn eine starke Farbdominante im Bild ist. Bei einem einfarbigen Motiv müsste die Kamera „denken“, das die Beleuchtung eine deutliche Eigenfarbe aufweist, also nicht farbneutral ist. Die Kamera würde dann versuchen, den vermeintlichen Farbstich zu entfernen, indem sie die Farben in Richtung der Komplementärfarbe verschiebt. Bei einem monochrom gelben Motiv würde sie die Farben also zu blau hin kompensieren. Im Ergebnis wäre das Bild dann mehr oder weniger grau.

Das folgende Foto wurde mit automatischem Weißabgleich aufgenommen:

Formationstanz

Ich sehe keinen Grund, den Weißabgleich zu korrigieren.

Fragt mich jetzt nicht, wie das möglich ist. Bei so intensiven Farben sollte der Weißabgleich eigentlich versagen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die kleinen weißen Reflexe auf den Glitzersteinen für den korrekten Weißabgleich ausreichen.

Tatsächlich habe ich nur ganz selten das Bedürfnis, den automatischen Weißabgleich zu korrigieren (da ich ausschließlich im RAW Format fotografiere, passiert das dann natürlich in der Nachbearbeitung). Lediglich bei Glühlampenlicht liefert der automatische Weißabgleich meistens ein Ergebnis, das ich persönlich zu gelblich finde:

Lampe und buch

Ein Weißabgleich auf den grauen Bucheinband ergibt folgendes Ergebnis:

Lampe und Buch

Allerdings ist der Weißabgleich immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Fazit

Zumindest bei unseren Kameras funktioniert der automatische Weißabgleich in den weitaus meisten Situationen völlig problemlos. Daher ist AWB auch die Standardeinstellung an unseren Kameras.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem automatischen Weißabgleich gemacht?

Deine Gedanken zu diesem Thema