Andreas Feininger und die Regeln der Fotografie

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Weiße Fassade vor dunklem Himmel

Kaum ein Fotograf, außer Ansel Adams, hat mich so sehr beeinflusst wie Andreas Feininger. 1906 als Sohn des Malers Lyonel Feininger geboren, hat er eine Ausbildung zum Architekten und Bauingenieur am Bauhaus in Weimar und Zerbst absolviert. Von 1943 bis 1962 war er fest angestellter Fotograf beim Magazin „Life“ und beeinflusste die zeitgenössische Fotografie des 20. Jahrhunderts maßgeblich.

Regeln der Fotografie?

 

Sei mißtrauisch gegenüber allen Regeln der Fotografie

Andreas Feininger in „Das ist Fotografie“, Verlag Photographie, Seite 118

Das ist wohl der meist zitierte Satz von Andreas Feininger. Und tatsächlich sollten wir das Wort „Regeln“ im Zusammenhang mit Fotografie nicht benutzen. Denn Regeln werden von Autoritäten aufgestellt und müssen beachtet werden. Andernfalls drohen Konsequenzen. Aber warum sollte das für die Fotografie gelten? Wir sind in der Fotografie frei zu tun und zu lassen, was immer wir wollen. Wenn wir die angeblichen Regeln (die ich viel lieber als Orientierungshilfen im Dschungel der Möglichkeiten bezeichne) nicht beachten, dann hat das keine Konsequenzen für uns. Außer dass die entstehenden Bilder vielleicht nicht mehrheitsfähig sind und keinen Preis im örtlichen Fotoclub gewinnen …

Allerdings hat Feininger auch gesagt:

[ … ] sollten drei Regeln beachtet werden – die einzigen „Kompositionsregeln“, zu denen ich nie eine Ausnahme gefunden habe:

Andreas Feininger in „Feiningers Kompositionskurs der Fotografie“, Taschenbuchausgabe, Heyne, Seite 71

Und hier sind diese drei „Regeln“

  1. Kleine weiße Flächen, die in den Bildrand auslaufen, geben den Anschein, als sei der Bildrand „angeknabbert“; das wirkt um so unangenehmer, je dunkler die anschließenden Flächen sind.
  2. Runde Formen oder Kurven, die nahe am Bildrand liegen, sollten niemals die Ränder des Bildes berühren. Entweder sollen sie durch genügenden Abstand vom Bildrand getrennt oder aber kühn angeschnitten sein [ … ]
  3. Linien, die mehr oder weniger diagonal gegen einer der Bildecken verlaufen, sollten nie genau den Winkel spalten, der von der waagerechten und senkrechten Kante des Bildes gebildet wird. Statt dessen sollten Sie in genügender Entfernung von der Bildecke entweder in die senkrechte oder die waagerechte Kante auslaufen.

Beispiele gefällig?

Zu 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tatsächlich sieht das linke Bild aus, als wäre es oben angeknabbert. Ich nenne das auch gerne „Mäusebiss“.

Zu 2

Auch da hat er recht, der Herr Feininger. Oder?

Zu 3

Auf mich wirkt es wirklich merkwürdig, wenn die Kante des Hochhauses links genau in der Bildecke ausläuft. Irgendwie scheint es das Bild zu zerteilen.

Was meint ihr? Habt ihr schon Ausnahmen zu diesen drei „Regeln“ gefunden?

 

2 Antworten

  1. Rol Schockweiler
    | Antworten

    ich denke sehr oft an die 3 ‘Empfehlungen’ wo du uns im Landschaftsfotografie workshop beigebracht hast.

    • Rainer Hoffmann
      | Antworten

      Hallo Rol, das höre ich gerne 😉

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