Faustregel für die Hyperfokale Entfernung

bisher 3 Kommentare

Entfernungsskala an einem Objektiv

Gerade die Landschaftsfotografen möchten meistens eine durchgängige Schärfe vom Nahbereich bis Unendlich in ihren Fotos haben. Um das zu erreichen muss man bekanntlich die Blende schließen, also eine große Blendenzahl wie 16 oder 22 wählen. Aber selbst bei Blende 22 ist nicht notwendigerweise auch der Vordergrund scharf. Um die Schärfentiefe zu maximieren, muss die Entfernung am Objektiv auf die sogenannte hyperfokale Entfernung eingestellt werden.

Definition der hyperfokalen Entfernung

Die hyperfokale Entfernung ist die Entfernung, bei der die Schärfentiefe bei gegebener Blende gerade bis unendlich reicht. Die gesamte Schärfentiefe erstreckt sich dann von der halben hyperfokalen Entfernung bis unendlich. Wenn also bei einer bestimmten Blende das Objektiv auf eine Entfernung von 4 Metern eingestellt werden muss, damit die Schärfentiefe bis unendlich reicht, dann würde der scharf abgebildete Bereich bei ca. 2 Metern beginnen.

So weit, so gut. Leider ist die hyperfokale Entfernung nicht nur von der Blende sondern auch von der Brennweite des Objektivs und von der Sensorgröße abhängig.

Tabellen und Apps für die hyperfokale Entfernung

Im Internet findet man eine Reihe von Tabellen und Apps für die Berechnung der Schärfentiefe und der hyperfokalen Distanz:

Rechner für die hyperfokale Distanz

Android App

Tabelle für die hyperfokale Distanz

Alles ganz nett, aber mal ehrlich, wer will schon beim Fotografieren mit Tabellen hantieren oder eine App fürs Handy bemühen? Und es ist ja schön zu wissen, dass die hyperfokale Entfernung, sagen wir mal, 1,37 m ist, aber wie will man das an einem modernen Autofokusobjektiv einstellen? Am Entfernungsring folgt auf 1 m nicht selten als nächste Markierung 3 m. Die Einstellung auf 1,37 m kann man also nur schätzen. Daher halte ich Tabellen und Apps für zu umständlich und wenig praxistauglich.

Die Faustregel für die hyperfokale Entfernung

Warnhinweis: Diese Faustregel ist nichts für Puristen!

Ich berechne die hyperfokale Entfernung mit einer einfachen Methode.

Für einen Micro-Four-Third (MFT) Sensor teile ich die Brennweite durch 10 und erhalte die hyperfokale Entfernung in Metern. Beispiel: 16 mm Brennweite geteilt durch 10 ergibt 1,6 m (oder etwa 1,5 m, da ich es nicht so genau nehme).

Für einen Vollformatsensor teile ich die Brennweite ebenfalls durch 10 und das Ergebnis teile ich nochmal durch 2. Bei 16 mm Brennweite ergibt sich dann ca. 80 cm.

Für einen APS-C Sensor liegt das Ergebnis zwischen MFT und Vollformat, also bei ca. 1,3 m.

Wichtig: Diese Faustregel funktioniert nur bei kurzen Brennweiten bis etwa 35 mm und bei großen Blendenzahlen ab 11.

Wie genau ist die Faustregel?

Die einfache Antwort: Für mich ist sie genau genug, denn die Einstellung am Objektiv ist sowieso Glückssache …

Hier ein kleiner Vergleich der Ergebnisse der Faustregel mit den berechneten Werten:

 

Brennweite 16 mm, Blende 11

Faustregel: Vollformat 0,8 m | APS-C 1,3 m | MFT 1,6 m |

Berechnet: Vollformat 0,79 m | APS-C 1,27 m | MFT 1,57 m |

 

Brennweite 16 mm, Blende 16

Faustregel: Vollformat 0,8 m | APS-C 1,3 m | MFT 1,6 m |

Berechnet: Vollformat 0,55 m | APS-C 0,88 m | MFT 1,08 m |

 

Brennweite 24 mm, Blende 11

Faustregel: Vollformat 1,2 m | APS-C 1,8 m | MFT 2,4 m |

Berechnet: Vollformat 1,77 m | APS-C 2,85 m | MFT 3,51 m |

 

Brennweite 24 mm, Blende 16

Faustregel: Vollformat 1,2 m | APS-C 1,8 m | MFT 2,4 m |

Berechnet: Vollformat 1,22 m | APS-C 1,97 m | MFT 2,42 m |

 

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3 Antworten

  1. Peter Schick
    | Antworten

    Lieber Rainer,

    danke, dass du dir diese Mühe gemacht hast und uns am Dschungel vorbei „zum Licht der Erkenntnis“ geführt hast.

  2. Wolfgang Herzog
    | Antworten

    Schade, dass ich den Beitrag erst jetzt gelesen habe – aber immer noch rechtzeitig vor meiner Islandreise. Also, wenn das so einfach funktioniert – und das werde ich definitiv ausprobieren – dann Respekt! Genau, was ich nach lähmenden Handy-Apps gesucht habe. Dankeschön!

    • Rainer Hoffmann
      | Antworten

      Besser spät als gar nicht, wie man so sagt. Es freut mich, wenn die Faustregel hilft. Mir waren die Apps oder Tabellen immer suspekt. Schließlich kommt es wirklich nicht auf einen halben Meter an. Allerdings bin ich auch kein Purist 😉

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