Das Ende der Fotografie?

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Marktplatz Bremen

Die Datenschutz-Grundverordnung (DsGVO) sorgt zur Zeit unter Berufs- und Hobbyfotografen für Aufregung. Manch einer beschwört schon das Ende der Fotografie, wie wir sie bisher kennen, herauf. Und tatsächlich scheint es so, dass eine bisher als harmlos geltende Aufnahme wie die des Bremer Marktplatzes oben, in Zukunft nicht mehr gemacht werden darf, weil Personen erkennbar sind. Wohlgemerkt, es geht nicht um die Veröffentlichung der Aufnahme, sondern um die bloße Anfertigung eines digitalen Bildes.

Worum geht es?

Bereits bisher ist die Veröffentlichung von Fotos, auf denen Menschen erkennbar sind, streng geregelt. Stichwort Recht am eigenen Bild. Es gibt allerdings eine Reihe von Ausnahmen, die auch die Veröffentlichung von Fotos mit Personen erlauben. Das Bild des Bremer Marktplatzes ist so ein Beispiel. Das Motiv sind offensichtlich die historischen Fassaden der Gebäude. Die Menschen im Bild sind sozusagen unvermeidliches Beiwerk und für den Bildinhalt nicht von Bedeutung.

In der DSGVO geht es nun aber überhaupt nicht um das Recht am eigenen Bild und auch nicht um die Veröffentlichung von Fotos. Das Problem ist vielmehr, dass mit einer digitalen Aufnahme weitere Daten, etwa das Aufnahmedatum gespeichert werden. Auf dem Foto oben kann also zugeordnet werden, dass sich bestimmte Personen am 15.08.2007 gegen 09:49 Uhr in Bremen aufgehalten haben. Die Speicherung dieser personenbezogenen Daten bedarf aber ab Inkrafttreten der DSGVO der schriftlichen Einwilligung aller abgebildeten Personen. Zudem muss diese Einwilligung VOR der Aufnahme erfolgen und die Personen müssen vollumfänglich (sorry, Juristendeutsch) über die Art der Datenerhebung, die Datenspeicherung und die Verwendung dieser Daten informiert werden. Und selbst wenn die Personen ihr schriftliches Einverständnis gegeben haben, können sie es jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen.

Wenn diese EU-Verordnung also ohne Änderungen in den jeweiligen Mitgliedsstaaten umgesetzt wird, dann wären Fotos wie das Titelbild in Zukunft tatsächlich kaum mehr machbar, denn es ist schlicht unmöglich, alle Personen im Bild um ihr Einverständnis zu bitten.

Eine Ausnahme von dieser Regelung gibt es nur für die sogenannte institutionalisiert Presse und das Fernsehen.

Was tun?

Abwarten und Tee trinken. Man wird einfach sehen müssen, wie diese Verordnung tatsächlich umgesetzt wird und wie die Gerichte in Einzelfällen entscheiden werden. Bei Verstoß gegen die Verordnung drohen empfindliche Bußgelder bis 20 Mio. Euro. Nein, kein Witz.

Bis wirklich Rechtssicherheit hergestellt ist, kann man wohl nur auf das Fotografieren von Personen verzichten. Na ja, Menschen stören ja eh meist die Komposition. Ich sage nur Bremer Landesbank:

Bremer Landesbank

Langweilig, oder?

Bremer Landesbank

Viel spannender ohne Menschen. QED!

Übrigens, Fotos die vor Inkrafttreten der DSGVO entstanden sind, sind von der Regelung ausgenommen.

 

Trotz allem wünsche ich euch viel Spaß beim Fotografieren.

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