Manuell belichten?

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Praktica FX Kleinbildkamera

 

Hobbyfotografen kommen normalerweise in unsere Einsteigerkurse, weil sie nicht mehr nur mit der Vollautomatik fotografieren und mehr Kontrolle über ihre Bilder haben möchten. Das ist gut so. Die meisten wollen aber unbedingt im manuellen Belichtungsmodus fotografieren. Und da frage ich mich, warum der manuelle Belichtungsmodus so etwas wie ein heiliger Gral unter Hobbyfotografen ist. Als ob man im manuellen Modus bessere Fotos machen würde. Aber ganz im Ernst: Man sieht es einem Foto nicht an, in welchem Belichtungsmodus es aufgenommen wurde. Um das zu sehen, muss man in die EXIF-Daten schauen…

Masochisten-Modus M

Wer den Zusammenhang von Blende, Belichtungszeit und ISO-Zahl verstanden hat, benötigt den manuellen Modus nur noch in Ausnahmefällen. Denn es gibt doch seit vielen Jahren die viel bequemeren Modi Blendenpriorität (A, Av) und Zeitpriorität (S, Tv), mit denen man fast alle fotografischen Aufgaben bequem und vor allem schnell erledigen kann (zu den Ausnahmen komme ich gleich). Warum also mühsam an zwei Rädchen drehen, wenn es auch einfach geht?

Wer den Zusammenhang von Blende, Belichtungszeit und ISO-Zahl verstanden hat, ist natürlich in der Lage, den M-Modus zu benutzen. Allerdings sehe ich häufig Leute, die den manuellen Modus benutzen, obwohl sie gar nicht wissen was sie tun. Sie drehen einfach so lange an Blende und Belichtungszeit herum, bis der Zeiger der Lichtwaage in der Mitte steht. Hey, das kann die Vollautomatik nun wirklich viel besser!

Wann ich den manuellen Modus benutze

  • Wenn ich mit meiner Blitzanlage arbeite – weil es technisch einfach nicht anders geht, da die Blitzanlage nicht mit der Kamera kommuniziert und die Bilder in der Automatik grundsätzlich überbelichtet wären.
  • Wenn ich Belichtungszeiten länger als 30 Sekunden benötige – weil es zumindest bei meiner Kamera nicht anders geht.
  • Bei der Arbeit mit dem Kompaktblitzgerät, wenn ich eine bestimmte Belichtungszeit und gleichzeitg eine bestimmte Blende benötige. Der Blitz übernimmt dann einfach die notwendige Aufhellung der Szene.
  • Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit konstanten Lichtverhältnissen, weil dann garantiert alle Bilder gleich belichtet sind und ich sie bequem per Stapelverarbeitung bearbeiten kann (Synchronisieren in Lightroom).

Wann ich den manuellen Modus gerne benutzen würde, aber nicht kann

In Kombination mit der ISO-Automatik wäre der manuelle Modus ideal, wenn man unter wechselnden Lichtverhältnissen immer eine bestimmte Belichtungszeit und gleichzeitig eine bestimmte Blende benötigt. Die ISO-Automatik sorgt dann immer für die korrekte Belichtung. Allerdings wissen wir ja alle, dass die Belichtungsmessung nicht immer zu einem korrekt belichteten Bild führt. Das gilt natürlich auch bei der ISO-Automatik. Und bei meiner nicht mehr ganz taufrischen Kamera gibt es im manuellen Modus in Kombination mit der ISO-Automatik keine Möglichkeit der Belichtungskorrektur. Es ist einfach nicht vorgesehen. Wer hat sich das ausgedacht? Ich weiß nicht, ob man im 21. Jahrhundert in Osaka noch Harakiri macht, aber das wäre eine gerechte Strafe für den Verantwortlichen…

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