Affinity Photo – die Photoshop Alternative

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Viele Photoshop-Anwender sind ja mit dem Mietmodell von Adobe nicht so richtig glücklich. Wir auch nicht. Daher arbeiten wir auch immer noch mit CS5, also im Grunde einer Uraltversion. Seit einiger Zeit gibt es nun aber das zunächst nur für Mac OS erhältliche Affinity Photo auch für Windows. Es wird zu einem Kampfpreis von etwa 55 EUR verkauft und ist damit sogar noch deutlich günstiger als PS Elements. Wir gehen daher der Frage nach, ob Affinity Photo für Photoshop Aus- und Umsteiger interessant sein könnte.

Installation

Die Installation geht, wie heute üblich, schnell und problemlos über die Bühne. Wenn ihr allerdings noch ein älteres Windows 7 System habt, müsst ihr eines der AERO-Designs aktivieren (Systemsteuerung –> Design ändern). Sonst startet Affinity Photo nicht.

Benutzeroberfläche

Die Benutzeroberfläche ist modern und schnörkellos. Sie orientiert sich, wie auch einige andere Dinge, sehr stark an Photoshop, ist aber klarer und aufgeräumter, als die über Jahre hinweg gewachsene (verwachsene) Oberfläche des Bildbearbeitungsdinos.

Am linken Bildschirmrand findet sich die Werkzeugleiste:

Die Symbole der einzelnen Werkzeuge sind fast identisch mit der Photoshop-Werkzeugleiste, nur ein wenig bunter. Zwar heißen die Werkzeuge bisweilen etwas anders, aber jeder PS-Nutzer wird sie sofort erkennen. Natürlich gibt es für jedes Werkzeug unterhalb der Menüzeile eine Zeile mit Optionen und Einstellmöglichkeiten für die einzelnen Werkzeuge (bei Photoshop „kontextsensitive Menüzeile“ genannt.

Auch die Paletten auf der rechten Seite kann jeder PS-Nutzer sofort einordnen. Natürlich kann man die Paletten nach Bedarf ein- und ausblenden und beliebig positionieren. Als Beispiel sollen hier die Histogramm- und die Ebenen-Palette reichen.

Auch die Symbole in den Paletten orientieren sich stark an Photoshop.

Insgesamt ist die Oberfläche inklusive der verschiedenen Menüeinträge sehr einfach und logisch aufgebaut. Man merkt dem Programm an, dass es von Grund auf neu entwickelt wurde und nicht den Ballast von 20 Jahren mit sich herumschleppt, der bei PS nicht selten dazu führt, dass man sich fragt, was die Entwickler geritten haben mag, bestimmte Funktionen so zu verstecken.

Funktionsumfang

Wir konnten in der relativ kurzen Zeit, in der wir Affinity Photo jetzt benutzt haben, sicherlich nicht alle Funktionen anschauen. Aber der erste Eindruck ist sehr gut. Bisher haben wir nur die Smart-Objekte vermisst (oder vielleicht ganz einfach nicht gefunden). Alle anderen wesentlichen Funktionen, die wir von PS her kennen und nutzen finden sich auch in Affinity Photo. An einigen Stellen scheint der Funktionsumfang gegenüber PS sogar größer zu sein. Auch HDR-, Panorama- und Focus-Stacking-Funktionen sind vorhanden. Selbst ein RAW-Konverter („Develop Persona“ genannt) gehört zum Funktionsumfang und ist in die normale Oberfläche integriert. Der Rohdatenkonverter hat alle wichtigen Funktionen mit Ausnahme der Gradationskurven.

Bedienung

Wer Photoshop gewohnt ist, wird Affinity Photo ohne große Umgewöhnung bedienen können. Selbst die meisten Tastaturkürzel entsprechen den Standardeinstellungen von PS (und natürlich kann man sich beliebige Tastaturkürzel für die wichtigen Funktionen selbst anlegen).

Affinity Photo arbeitet bei den meisten Anpassungen des Bildes zerstörungsfrei. Es werden grundsätzlich Einstellebenen angelegt, sobald man eine Anpassung, etwa die Gradationskurven oder die Farbbalance, vornimmt.

Bei einigen wenigen Werkzeugen ist ein klein wenig Umdenken erforderlich, wenn man bisher nur Photoshop gewohnt war.

Leistung

Auf meinem zugegebenermaßen nicht mehr ganz taufrischen System braucht Affinity Photo überraschend lange zum starten. Danach läuft es aber flüssig, auch mit sehr großen Dateien. Lediglich der Rohdatenkonverter hakelt an manchen Stellen ein wenig.

Verschiedenes, völlig ungeordnet und subjektiv

  • Affinity Photo verarbeitet auch PS-Dateien
  • Der Auswahlpinsel (Schnellauswahlwerkzeug bei PS) arbeitet unglaublich gut
  • Die Ähnlichkeit mit Photoshop ist so groß, dass man sich wundert, dass Adobe noch keine Klage eingereicht hat…
  • So etwas wie Smart-Objekte sollte noch nachgerüstet werden
  • Der Rohdatenkonverter braucht Gradationskurven

Fazit

Der Umstieg von PS auf Affinity Photo ist dank des sehr ähnlichen und an vielen Stellen logischeren Bedienkonzepts denkbar einfach. Man kann bereits nach kürzester Zeit produktiv arbeiten. Affinity Photo zeigt nach unseren ersten Tests keine wirklichen Schwächen. Wer sich nicht an Adobe binden will, hat jetzt eine wirkliche Alternative zu Photoshop. Und das zu einem Preis, für den man das LR/PS Abo nicht mal ein halbes Jahr lang nutzen kann.

Wenn wir jetzt noch eine leistungsfähige Bildverwaltung wie das Bibliotheksmodul von Lightroom hätten (vielleicht vom Hersteller von Affinity Photo??), dann gäbe es zumindest für Fotografen kaum noch einen Grund, Adobe Software zu mieten.

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