Miniaturisierungswahn

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Simone in the Okavango Delta

Warum werden Kameras eigentlich immer kleiner? Dumme Frage. Natürlich, weil wir ungern große, schwere Geräte mit uns herumschleppen. Und die Fortschritte in der Sensortechnik und in der Elektronik ganz allgemein erlauben die Herstellung immer kleinerer Kameras, die sich aber hinsichtlich der Bildqualität kaum hinter den unhandlichen Spiegelreflexmodellen verstecken müssen. Die Miniaturisierung ist also ein durchaus begrüßenswerter Trend. Kleiner, leichter und damit normalerweise auch billiger, bei guter Qualität der Fotos, was will man mehr?

Und nein, so riesig wie im Bild oben muss eine Fotoausrüstung nicht mehr sein.

Die Grenze der Miniaturisierung ist überschritten

In unseren Kursen lernen wir üblicherweise die ganze Bandbreite der Kameramodelle kennen. Von Kompaktkameras über spiegellose Systemkameras bis hin zur „klassischen“ DSLR. Und die nehmen wir natürlich gerne auch mal in die Hand (keine Sorge, wir haben eine Veranstalter-Haftpflichtversicherung…). Und bisweilen verzweifeln wir daran. Denn die Bedienelemente vieler Kameramodelle sind mittlerweile so winzig, dass bei jemandem, der nicht gerade mit Pianisten- oder Chirurgenhänden gesegnet ist, keine rechte Freude aufkommen mag.

Drei Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  • Die Kameras sind mittlerweile so klein, dass man sie nur mit Mühe sicher halten kann. Dadurch ist es kaum möglich, die Kamera zu bedienen, ohne das Auge vom Sucher zu nehmen (ja, ich nutze fast ausschließlich den Sucher).
  • An der Rückseite der Gehäuse werden immer größere Displays angebracht. Das ist durchaus begrüßenswert, aber dadurch schrumpft der Platz für die Bedienelemente noch weiter. Folglich müssen diese Bedienelemente ebenfalls verkleinert werden.
  • Die Kameras sind überfrachtet mit Funktionen, die nicht wirklich wichtig sind. Zusätzlich zur Verkleinerung der Bedienelemente müssen sie deshalb auch noch mit Mehrfachfunktionen belegt werden.

Das mag dem gelegentlichen „Hobbyknipser“ weitgehend egal sein. Wenn aber die Kamera das tägliche Arbeitsgerät ist, dann kann man es sich nicht leisten, dass die Bedienung zur „Fummelei“ wird. Was im Studio unter kontrollierten Bedingungen noch akzeptabel sein mag, ist in der Sport-, Action- oder Tierfotografie ein Garant für verpasste Fotos. Aber ganz generell macht es zumindest mir einfach keinen Spaß, wenn ich zum Einstellen wichtiger Funktionen mehr als einen Finger benötige und dann auch noch, dank Mehrfachbelegung der Knöpfchen und Rädchen plötzlich in einem Menü lande, dass ich bis dato nie gesehen habe…

Was ich mir für zukünftige Kameras wünsche

Da ich sowohl die Kompaktkamera (wird großflächig vom Handy abgelöst) als auch die Spiegelreflexkamera für Auslaufmodelle halte, bezieht sich meine Wunschliste hauptsächliche auf spiegellose Systemkameras. Und es geht mir hier ausschließlich um die Bedienbarkeit, nicht um irgendwelche Funktionen oder mehr Megapixel.

  • Gesamtgröße: Die Kamera sollte so groß sein, dass eine Hand das Gehäuse sicher greifen und die andere Hand das Objektiv halten kann. Diese Forderung erfüllen praktisch alle DSLRs aber längst nicht alle spiegellosen Systemkameras.
  • Display: Die derzeit übliche Größe reicht aus, selbst wenn man wie ich unter fortgeschrittener Altersweitsichtigkeit leidet.
  • Bedienelemente: Sie sollten so groß und soweit voneinander entfernt sein, dass man nicht versehentlich zwei Knöpfchen gleichzeitig drückt. Eine Doppelbelegung mancher (!) Bedienelemente ist in Ordnung. Drei- oder Vierfachbelegung ist overkill und führt zu Verwirrung.
  • Gewicht: Ah, hier bin ich endlich mal einer Meinung mit den Herstellern. Mein Rücken ist sicherlich dankbar, wenn das Gewicht der Ausrüstung weiter sinkt.

Klein und handlich ist gut, gar keine Frage. Aber für mich steht die Bedienbarkeit an erster Stelle. Im Zweifelsfall entscheide ich mich dann doch für die etwas größere und schwerere Kamera.

Ich freue mich über Eure Meinungen und Kommentare.

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