Foto-Burnout

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Kerze

Jeder Fotograf, ganz egal ob Profi oder Hobbyist, kommt irgendwann an einen Punkt, an dem die kreativen Ideen versiegen. Das Wort „Burnout“ ist für diesen Zustand vielleicht ein wenig übertrieben, aber er ist dennoch nicht gut für das Geschäft und auch nicht für das Hobby. Aber die gute Nachricht ist: Man kann etwas dagegen tun.

Die Anzeichen für den Foto-Burnout

Es gibt ein paar untrügliche Anzeichen für den beginnenden Foto-Burnout. Wenn man diese Anzeichen erkennt, sollte man frühzeitig gegensteuern. Sonst läuft man Gefahr, den Spaß am Fotografieren zu verlieren. Hier sind die typischen Warnsignale:

  • Die Fotos sehen immer gleich aus

Wenn man das Gefühl hat, dass die Fotos sich immer ähnlicher werden, ist das ein klares Anzeichen für nachlassende Kreativität. Kreativ sein hat immer auch mit Veränderung zu tun. Wenn man aber keine Veränderung in seinen Fotos mehr wahrnehmen kann, ist man zum Stillstand gekommen. Das passiert besonders leicht, wenn man über lange Zeit hinweg ein bestimmtes Thema fotografiert.

Wir haben über viele Jahre hinweg Fotos bei Tanzturnieren gemacht. Dabei sind eine ganze Menge schöne, interessante, spannende und sogar ungewöhnliche Fotos entstanden. Aber ab etwa 2011 oder 2012 hatten wir das Gefühl, dass wir unsere früheren Fotos einfach nicht mehr toppen konnten. Fotografischer Stillstand war eingetreten. Unsere letzten Tanzsportfotos sind 2013 entstanden…

  • Man verbringt mehr Zeit am Rechner als beim Fotografieren

Das ist kein neues Phänomen. Bereits in den 1940er Jahren beklagte sich Ansel Adams darüber, dass er mehr Zeit in der Dunkelkammer verbrachte als in der Natur. Und trotzdem mit dem Entwickeln der Negative und der Anfertigung der Abzüge nicht hinterher kam. Mit anderen Worten: Man beschäftigt sich mit dem alten Bildmaterial, anstatt etwas Neues zu produzieren.

  • Die Fotoausrüstung fühlt sich immer schwerer an

Nein, das ist nicht nur ein Problem des Alters. Es liegt auch daran, dass man keine Ideen mehr hat. Und warum sollte man dann das schwere Geraffel mit sich herumschleppen? Für die Normalfotos reicht schließlich auch die Kompakte. Das ist natürlich keine bewusste Entscheidung, im Gegenteil, das spielt sich irgendwo im Hinterkopf ab.

  • Schönes Licht ist überbewertet

Um fünf Uhr aufstehen? Oder nach dem Abendessen noch mal raus? Ach, so wichtig ist das jetzt auch nicht. Und morgen wird die Sonne ja auch noch mal aufgehen. Kommt euch bekannt vor? Doch, doch, mir auch.

  • Wenn ich ein neues Objektiv hätte…

Nein, ein neues Objektiv bringt die Kreativität nicht wirklich voran. Kreativität hat wenig bis gar nichts mit der Ausrüstung zu tun. Ok, das ist eine Binsenwahrheit, die ihr alle schon kennt, aber es schadet nichts, sie immer und immer zu wiederholen. Der Gedanke, etwas Neues für sein Hobby anzuschaffen, obwohl man schon fast alles hat, ist ein untrügliches Zeichen für kreativen Stillstand.

Woher ich die Anzeichen für den Foto-Burnout kenne

„Been there, done that“ kann ich da nur sagen. Und das nicht nur einmal. Aber immerhin fotografiere ich auch schon seit 42 Jahren. Da darf das schon mal vorkommen. Bisher habe ich es noch immer geschafft, wieder in die Spur zu kommen. Ganz ohne psychotherapeutische Hilfe!

Der Weg aus dem kreativen Stillstand

Ein Teelicht wird angezündet

Der Weg zurück zur Kreativität und zum Spaß am Hobby ist sicherlich für jeden ein wenig anders. Ich kann an dieser Stelle nur erzählen, was mir geholfen hat.

  • Die Komfortzone verlassen

Das habt ihr alle schon mal gehört und vielleicht sagt ihr jetzt „ach komm, lass mich in Ruhe mit diesem Allgemeinplatz“. Dafür habe ich absolutes Verständnis. Es klingt wie das Gerede eines Motivationstrainers, von dem ich während meiner Zeit als abhängig Beschäftigter in einer Luft- und Raumfahrtfirma auch viel zu viel über mich ergehen lassen musste. Aber mir hat es (fast) immer geholfen, etwas völlig anderes zu fotografieren, als das, was ich schon zur Genüge im Archiv hatte.

  • Fotoprojekte

Dieser Weg aus der Krise ist etwas für diejenigen, die sich mit Arbeit ablenken können. Man sucht sich zwei, drei Projekte, die man systematisch „durchfotografiert“. Das klingt erst mal gar nicht kreativ, kann aber eine Menge Ideen freisetzen. Aber Vorsicht, wer sich zu lange mit einem Thema beschäftigt, läuft Gefahr, dass er weder über „Los“ ziehen kann noch 4000 Mark einzieht.

  • Einen Workshop besuchen

Das meine ich wirklich so. Das machen Simone und ich auch. Obwohl wir selbst Workshops geben. Aber andere Fotografen haben andere Ideen und Vorstellungen und irgendetwas ist immer dabei, das einen selbst voran bringt.

  • Mit Freunden losziehen

Mit Freunden ein Wochenende lang an einem gemeinsamen Fotoprojekt arbeiten kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Die Fotos der anderen beflügeln die eigene Kreativität. Ganz bestimmt!

  • Eine Pause einlegen

Klar, auch das kann helfen. Die kreative Pause kann die Kreativität beflügeln. Bei mir hilft es eher selten.

Ich hoffe, die kleinen Anregungen helfen euch, wenn ihr mal selbst einen kleinen oder größeren Foto-Burnout habt.

Wir machen jetzt eine dreiwöchige Blog-Pause. Damit es keinen Blog-Burnout gibt.

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2 Antworten

  1. Oliver Lopinski
    | Antworten

    Ein wichtiges Thema gut geschildert, wie ich finde. Auch ich hatte diese Phase schon, obwohl ich erst seit einem Jahr dabei bin. Ich habe mir dann absichtlich über 20 Kategorien (jeweils SW und Farbe) geschaffen, um mich immer wieder absichtlich aufs Neuland zu ziehen. Auf FB hole ich mir dann in den Gruppen die dazugehörigen Inspirationen. Gewisse eBooks / Workshop-Bücher zu Sonderthemen (wie Fine Art; Sehen & Gestalten, ND-Filter & LZB, Farbfilter für SW-Fotografie u. ä.) füllen zudem meine Bildungslücken und geben mir neue Anreize für weitere Projekte. Es ist noch viel Luft nach oben und es macht mir einfach zuviel Spaß, analog zu fotografieren …;-)

    • Rainer Hoffmann
      | Antworten

      Moin Olli, das trifft jeden mal. Und Deine Ansätze, das zu lösen sind richtig gut.

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