Allheilmittel „Spotmessung“?

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Beeren auf weißen SteinenGefühlt jeder fünfte Beitrag in den einschlägigen Fotografie-Foren liest sich etwa so: „Meine Bilder sind immer zu hell / zu dunkel. Was mache ich falsch?“ Und spätestens bei der dritten Antwort schlägt jemand vor, doch die Spotmessung zu benutzen. Dann passt’s auch mit der Belichtung. So jedenfalls die Meinung vieler Schreiber in den Foren.

Belichtungsmessung

Wer solch eine Meinung vertritt, handelt entweder fahrlässig (jedenfalls einem Fotografie-Einsteiger gegenüber) oder hat das Prinzip der kamerainternen Belichtungsmessung nicht verstanden.

Da der Belichtungmesser der Kamera nicht die tatsächliche Helligkeit misst, sondern nur das vom Motiv reflektierte Licht, ist das Messergebnis (leider!) von der Beschaffenheit des Motivs abhängig. Bei einem durchschnittlichen Motiv, das zu etwa gleichen Teilen aus hellen, dunklen und mittelhellen Objekten besteht, kommt die üblicherweise eingestellte Matrix- oder Mehrfeldmessung zu einem (mehr oder weniger) korrekten Ergebnis. Das Foto entspricht dann unseren Erwartungen:

Bei dem Bild links haben wir genau diese Situation. Die Belichtungsmessung führt dank der Mischung unterschiedlich heller Bildelemente problemlos zu einer mittleren und damit weitgehend helligkeitsrichtigen Belichtung.

Die weitaus meisten Motive sind so beschaffen, dass die Belichtungsmessung problemlos funktioniert. Es gibt aber immer wieder Motive, bei denen dies nicht der Fall ist. Immer dann, wenn die fotografierte Szene aus überwiegend hellen oder überwiegend dunklen Bildbereichen besteht, kommt es zu einer Fehlbelichtung.

Das Foto der weißen Blüte vor weißem Hintergrund ist so ein Beispiel. Da der Belichtungsmesser natürlich nicht „wissen“ kann, wie das Motiv beschaffen ist, interpretiert er das vom Motiv reflektierte Licht so, als ob helle und dunkle Bildelemente gleichmäßig im Bild vorhanden wären. Im Ergebnis ist das Foto zu dunkel (weiß tendiert zu mittlerem grau, Bild links) und eine Belichtungskorrektur ist notwendig (Bild rechts).

Blüte Blüte

 

In diesem Fäll hätte auch die Spotmessung kein besseres Ergebnis gebracht, da ja auch die Blüte selbst fast weiß ist und auch die Spotmessung nur das vom Objekt reflektierte Licht misst.

In manchen Fällen ist die Spotmessung sogar kontraproduktiv. Etwa bei dem Foto des schwarzen Panthers:

Eine Spotmessung auf das schwarze Fell des Tieres hätte zwangsläufig eine erhebliche Überbelichtung des Bildes zur Folge. Die Mehrfeldmessung hat in solch einem Fall eine deutlich bessere Erfolgschance, da sie auch den (helleren) Hintergrund in die Messung einbezieht und damit einer mittleren Belichtung zumindest näher kommt.

Wann also Spotmessung?

Natürlich gibt es Fälle, in denen die Spotmessung sinnvoll einsetzbar ist, z.B. bei Gegenlichtsituationen. Bei dem Foto der maskierten Person beim Karneval in Venedig wurde die Belichtungsmessung durch die Sonne im Bild beeinflusst und ist deshalb deutlich zu dunkel.

Eine Spotmessung auf die Maske oder den Spitzenkragen der Person schafft hier Abhilfe:

Allerdings sollte man genau darauf achten, nicht etwa sehr dunkle Objekte wie das Kostüm anzumessen. Das würde natürlich zu einer Überbelichtung führen.

Fazit

Die Spotmessung ist ganz sicher kein Allheilmittel gegen Fehlbelichtungen. In manchen Fällen ist sie sogar kontraproduktiv. Meistens ergibt die Mehrfeldmessung (Matrixmessung), in Kombination mit einem gelegentlichen Blick auf das Histogramm, die zuverlässigere Belichtung.

 

Ich freue mich, wie immer, auf eure Kommentare und Meinungen

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